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  17.Juli 2018 07:59:35

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 Thema: Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren  (Gelesen 11931 mal)
BuboBubo

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 31.März 2014 21:52:43 »
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Fortuna Bay fanden wir auch super - wir hatten einen tollen Tag mit super Licht erwischt und die Pinguine haben mega Spass gemacht.
Allerdings hatten wir dort nicht die Massen wie z.B. in St. Andrews Bay. Aber Spass gemacht haben die neugierigen Jungs dort auf jeden Fall smiley

Der Sturz tönt ja echt krass  shocked  Aber gut, dass Du Dich nicht hast unterkriegen lassen!!!!

LG
Sandra

Unsere Reiseberichte - NEU: Karibik: Grenada - St. Lucia - Katamaran Segeln Grenadinen
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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 05.April 2014 00:10:11 »
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Hallo Sabine,

ich habe gerade deinen Bericht nachgelesen und wieder mit dir gelitten (wegen Mr. Seasick). Doch glaube ich, dass das was du erlebt hast ihn weit in Vergessenheit gerückt hat.

Wie ich es von dir gewohnt bin, beschreibst du die Situationen immer sehr plastisch. Trotzdem finde ich es sehr schade keine Bilder zu sehen. Besonders wenn ich eine Region nicht kenne, wären Bilder dazu sehr schön.

Liebe Grüße
Dagmar
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S@bine

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 05.April 2014 18:21:21 »
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Liebe Dagmar,

es freut mich sehr, dass du nachgelesen hast.
Ja, dass ich Probleme mit Mr. Seasick bekommen würde, darauf hatte ich mich schon im Vorfeld eingestellt, okay, ich muss zugeben, als es dann soweit war, fand ich es trotzdem nicht toll, aber bei dieser Reise muss ich auch ganz ehrlich sagen, ich wollte es ja nicht anders  wink  --- trotzdem sehr lieb deine Worte!

Leider wird es keine Fotos geben, ich würde mich trotzdem freuen, wenn du dabei bleiben würdest, auch wenn es etwas zäh vorangeht.

LG
Sabine
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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 08.Oktober 2014 19:45:47 »
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Es hat lange gedauert bis zur Fortsetzung, aber hier der nächste Teil:


Zurück in der Kabine pellen wir uns erst einmal aus unser „Expeditionskleidung“ und stellen fest, dass es uns teilweise sogar recht warm geworden war. Danach hieß es erst einmal im Kampf gegen Mr. Seasick dem Magen ein wenig Arbeit zu geben und so ging es zum Mittagessen. Die Zodiacs wurden währenddessen geschwind verladen und wir legten ab mit Kurs Richtung Stromness Bay. Hier sollte es heute für uns den zweiten Landgang geben.

Das Anlaufen in der Stromness Bay verfolgten wir vom Deck. Links lagen die Reste der alten Walfangstation, die man nicht betreten darf. Höchste Asbestgefahr! Den Tieren hat es wohl niemand gesagt, denn sie tummelten sich überall zwischen den alten Gebäuden und den Resten aus einer grausigen Zeit. Wenn sich jemand fragt, warum die Walfangstationen nicht zurückgebaut werden, tja, das liebe Geld.

Stromness Bay ist dem eingefleischten Fan von Sir Ernest Shackleton ein Begriff. Nachdem er und seine fünf Gefährten, die mit ihm die Überfahrt in einem winzig kleinen Boot über das Südpolarmeer geschafft hatten und auf der anderen Seite Südgeorgiens auf Land trafen, machten sich Sir Ernest  Shackleton, Kapitän Worsley und Mr. Crean noch auf den Fußmarsch, die Insel zu durchqueren. Auch kein einfaches Unterfangen, Gletscher galt es zu bewältigen, Berge zu erklimmen und sich entlang vereister Wasserfälle einen Weg zu bahnen, um dann endlich die für sie rettende Walfangstation in der Stromness Bay zu erreichen.

Unsere Anreise war auch hier ungleich komfortabler. Im Michelin-Männchen-Look bestiegen wir wieder das Zodiac, um an das Ufer zu fahren. Schon von weitem erkannten wir wieder viele Robben und Königspinguine. Einfach nur herrlich, auch wenn hier die Tierwelt nicht ganz so zahlreich war, wie in der Fortuna Bay, aber immer noch sehr eindrucksvoll und bei mir ein Glücksgefühl nach dem anderen auslösend.

Über einige Bachläufe liefen wir Richtung eines kleinen Sees, wo sich Seeelefanten tummelten. An einem Bachlauf dorthin tat ich es den Pinguinen gleich, die wir noch kurz zuvor lächelnd beobachtet hatten, ich rutschte weg und versank recht tief im Schlamm, genau so wie es einer Gruppe der Frackträger zuvor an einer anderen Stelle erging. Ich hatte mich schon voll und ganz der heimischen Tierwelt angepasst.

Am Abend fuhren wir noch weiter bis Grytviken, wo wir über Nacht ankerten, bevor es morgen zum nächsten Landgang gehen sollte.

Es war ein wundervoller Tag, der meine sehr hohen Erwartungen an Südgeorgien noch übertroffen hat.


Ja, und was machte heute Mr. Seasick?
Was soll ich sagen, mein erster Tag ohne Reisetablette. Ich hatte es heute Mr. Seasick auf ganzer Breite gezeigt! Mr. Seasick, wer ist das bitte? Ein voller Punkt für mich!

Mr. Seasick – ich = 2:7

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« Letzte Änderung: 08.Oktober 2014 22:04:00 von S@bine » Moderator benachrichtigen   Gespeichert
@nna

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Tie me Kangaroo down...

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 08.Oktober 2014 20:51:26 »
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Hallo Sabine,

schon, dass es weitergeht. Ich muss aber gestehen, dass ich erst mal "zurückblättern" musste, um wieder Anschluss zu finden  wink
Liebe Grüße
@nna
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S@bine

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 08.Oktober 2014 21:43:49 »
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Tag 10 – Südgeorgien (Anlandung Grytviken und Passage Drygalski Fjord)

Windstärke: auf Reede vor Grytviken, recht ruhig, Windstärke 11 beim Drygalski Fjord
Seestärke: ? etwas Seegang
Temperatur: bis 7° Celsius
Sonnenaufgang 04:15 Uhr, Sonnenuntergang: 21:02 Uhr


Die Nacht haben wir auf Reede in der King Edward Bucht vor Grytviken verbracht. Für den Landgang im größten – und zugegebenermaßen einzigen – Ort auf Südgeorgien war unsere Gruppe heute die erste, die an Land durfte. Wir wurden vorgewarnt, dass sich die Tiere bei der ersten Gruppe hier möglicherweise etwas aggressiv verhalten könnten. Uns wurden einige Vorsichts- und Verhaltensregeln mit auf den Weg gegeben. Es könne auch durchaus vorkommen, dass manche Robben sich einfach auch nur mit uns paaren wollen … eine Aussicht, die ich jetzt nicht so prickelnd fand. Das Interesse der Tiere lässt dann aber meist schon bei der zweiten Gruppe nach. Prima, heute erste Gruppe und dann solche Verlockungen.

Morgens haben wir schon vom Schiff aus die Bucht, in der Grytviken liegt, angeschaut. Rechts von uns lag der Friedhof, unterhalb dessen unser Zodiac anlanden würde. Nicht weit davon entfernt stehen auch schon die ersten Gebäude und Gerätschaften der alten Walfangstation. In Grytviken darf man diese jedoch betreten, da hier alles von Asbest befreit wurde und man die Erinnerung an diese Zeit aufrecht erhalten will. Ein stummer Zeuge dessen, was hier der Natur angetan wurde. Ich bin der Meinung, dass es gut ist, um wirklich hautnah vor Ort zu sehen, wie sich damals alles abgespielt haben muss, vorausgesetzt man geht mit offenen Augen und dem entsprechenden Interesse durch. Hier muss es seinerzeit so viele Wale gegeben haben, dass die Walfänger in den ersten drei Jahren die Bucht überhaupt nicht verlassen mussten, eigentlich unvorstellbar, dieser Tierreichtum … hoffentlich gibt es bald eine Zeit, wo die Bucht wieder voll von Walen sein wird. Aber nicht nur das ist ein Problem auf Südgeorgien, auch die einschleppten Pflanzen, die hier nicht hingehören oder auch die Ratten, die ein besonders großes Problem für die Vögel sind. Die Ratten werden seit ein paar Jahren bekämpft und einige Gebiete der Insel gelten mittlerweile als Rattenfrei. Erst vor kurzem habe ich im Fernsehen eine sehr interessante Dokumentation über diese Aktion gesehen.

Südgeorgien gehört zu Großbritannien und hat 6 Einwohner, allesamt wohnhaft in Grytviken. Im Sommer kommen noch einige Wissenschaftler hinzu, die in Unterkünften wohnen, die man vom Schiff aus rechts liegend sehen konnte.

In etwa in der Mitte der Bucht liegt das Museum, das wir uns auf alle Fälle anschauen wollten sowie etwas weiter zurück versetzt die kleine, wirklich hübsche, weiß gestrichene Kirche. Grytviken wurde 1904 gegründet und es gab hier damals auch ein Kino, das Fußballfeld steht noch. Im Hafen liegen gesunkene Walfangschiffe … und überall tummeln sich Robben, Seeelefanten und Königspinguine. Die Tierwelt hat sich scheinbar arrangiert und holt sich wieder den Lebensraum zurück. Auf mich wirkt die ganze Szenerie faszinierend und surreal zugleich. 

Wir fahren mit dem Zodiac zu der Anlandestelle, die etwas unterhalb des Friedhofes liegt. Direkt neben dem Zodiac schwimmen die Robben und ein Seeelefant schwimmt ganz nah nebenher und bleibt auch beim Anlanden ständig ganz neugierig beim Boot. Einfach nur süß, wie sein Kopf hin- und her schwingt und uns fest im Blick hält.
Hier ist es auf alle Fälle unmöglich, die Mindestabstände einzuhalten, die Tiere interessiert es rein gar nicht und wir haben gar keine Möglichkeit, soweit auf Distanz zu gehen, da wir geradezu umzingelt sind. Als erstes gehen wir zum Friedhof, der umzäunt ist. Wir müssen schauen, dass wir schnell durch die Tür kommen, ohne dass nicht noch eine Robbe mit hineinschlüpft.

Hier auf dem Friedhof fand Sir Ernest Shackleton seine letzte Ruhe, wie auch Frank Wild. Man findet hier auch die Grabstätte eines Argentiniers, Arturo (den Nachnamen weiß ich leider nicht), der im Verlauf des Falklandkrieges auf Südgeorgien umkam (Todesursache: versehentlich erschossen). Mir war bis zu unserer Reise nicht bewusst, dass auch der Falklandkrieg auf Südgeorgien seine Spuren hinterlassen hatte, nur ging es hier um einige Stunden und die Engländer hatten die Lage für sich entschieden. Hier zeigt sich mir einfach mal wieder, Reisen bildet.

Danach gehen wir durch die alten Anlagen, immer im Zickzackkurs und auf der Hut vor paarungswilligen Robben. Einige Seeelefanten lagen mitten auf dem Weg, ohne sich auch nur im Geringsten für uns zu interessieren. An riesigen Tanks vorbei geht es zur Kirche, wo sogar dazu eingeladen wurde, die Glocke zu läuten. Ein toller Platz zum Heiraten, finde ich.

Im winzig kleinen Laden kaufen wir noch Postkarten und Briefmarken, die einige Wochen später auch zuhause ankommen werden. Danach besuchen wir das Museum, wo ein Nachbau des Bootes steht, auf dem Shackleton mit fünf Männern aus der Endurance Expedition die Überfahrt über das Südpolarmeer von Elephant Island nach Südgeorgien gelang. Groß staunend stehen wir vor dem Boot und fragen uns, wie diese Überfahrt gelungen sein konnte und welch Mut dazu gehört haben muss, diese überhaupt zu wagen in dem vielleicht sogar gefährlichsten Meer auf unserer Erde. Eine unglaubliche Leistung!

Nach einer ausgiebigen Besichtigung steigen wir wieder in ein Zodiac, das uns zurück zum Schiff bringt.

… was am Rest des Tages noch geschah, folgt dann in der Fortsetzung ...
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« Letzte Änderung: 08.Oktober 2014 21:59:06 von S@bine » Moderator benachrichtigen   Gespeichert
spick

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 09.Oktober 2014 11:37:04 »
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Hallo Sabine,

Toller Bericht. Ich bin immer wieder begeistert von deinen Schilderungen. Dabei werden auch die Erinnerungen an unsere Antarktisreise immer wieder wach.
Danke!
LG
der Heinz
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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 09.Oktober 2014 15:03:33 »
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Hallo Marianne,
schön, dass du wieder reingefunden hast.

Hallo Heinz,
es freut mich sehr, dass dir mein Bericht gefällt.

Gleich geht es noch weiter.

Liebe Grüße
Sabine
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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 09.Oktober 2014 15:07:29 »
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Nachdem auch die letzte Gruppe vom Landgang an Bord zurückgekehrt ist und die Zodiacs verladen sind, fahren wir weiter Richtung Drygalski Fjord. Unserem letzten Punkt in Südgeorgien, bevor es übers Südpolarmeer mit Kurs auf die Süd-Shetland Inseln weiter gehen wird.

Wenn man auf die Karte Südgeorgiens schaut, stellt man schnell fest, dass der Drygalski Fjord am unteren Ende der Insel liegt. Der Experte würde es wohl mit „am Zipfel des südöstlichen Endes“ bezeichnen.

Mittlerweile wird die See ein wenig wackeliger. Der Profi, der öfter in diesen Gebieten unterwegs ist, hat dafür sicherlich nur ein müdes Grinsen übrig. Mir hingegen wird schon leicht blümerant und ich greife in weiser Voraussicht zu einer Reisetablette. Entlang der Küste Südgeorgiens mit herrlichen Ausblicken auf Gebirge, Gletscher und die tiefblaue See kommt auch schon bald ein größerer Eisberg in Sicht. Zu meinem Leidwesen wird der eisige Wind immer heftiger, währenddessen die See im Vergleich dazu noch recht ruhig ist. Das Schiff stampft schon leicht dem Drygalski-Fjord entgegen. Mittlerweile halten wir uns schon am Deck fest, um nicht weggeweht zu werden. Die Stimme durch den Lautsprecher verkündet Windstärke 11 und informiert darüber, dass der Kapitän schauen muss, ob und wie weit er bei diesen Bedingungen überhaupt in den Fjord hineinfahren kann. Da es sich hier nur um eine Einbahnstraße handelt, muss das Schiff wieder gewendet werden, kein leichtes Unterfangen bei diesem Wind.

Solch einen Wind habe ich bisher nur einmal in Patagonien erlebt, wo uns auch schon die festgehaltene Autotür förmlich aus den Händen gerissen wurde.

Wir fahren ein Stück in den Fjord hinein, erspähen Einiges in dieser eisigen Welt bevor die Stimme durch den Lautsprecher uns wissen lässt, dass wir jetzt aus Sicherheitsgründen wieder wenden müssen. Es folgt ein wahres Schauspiel, wie sich die MS Delphin kunstvoll in diesem Wind langsam, aber kontrolliert in die entgegengesetzte Fahrtrichtung dreht.

Wir verlassen Südgeorgien und steuern der Antarktischen Halbinsel entgegen. Mit dem Besuch dieser Insel habe ich mir einen lang gehegten Traum erfüllt, und ich bin sehr dankbar, dass das möglich war.

Der Tagesbericht wäre nicht vollständig, würde ich nicht von dem heutigen Ausgang des Verhältnisses eines gewissen Mr. Seasick und mir berichten. Morgens ging es mir ganz gut, auf Land ohnehin. Aber schon auf der Weiterfahrt musste sich Mr. Seasick wieder in den Vordergrund spielen. Ich gebe uns beiden heute ein Unentschieden. Vielleicht ein wenig großzügig, da er mir abends und nachts schon wieder mehr Kummer bereitete, aber zu leicht will ich es diesem Mr. auch nicht machen.

Mr. Seasick – ich = 3:8
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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 09.Oktober 2014 15:10:45 »
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Tag 11 – Seetag mit Kurs auf die Süd-Shetland Inseln

Windstärke: 4
Seestärke: 4
Temperatur: bis 5° Celsius
Sonnenaufgang: 04:16 Uhr, Sonnenuntergang: 22:00 Uhr



Zwei Seetage liegen vor uns und wie soll ich diese am besten beschreiben. Das Treffendste ist wohl:
Die Rückkehr des schon besiegt geglaubten Mr. Seasick.

Wind- und Seestärke liegen am heutigen Tage von der reinen Ziffer her gesehen, nämlich jeweils 4, gar nicht so hoch. Aber die Wellen kommen ungünstig und nicht lange, nachdem wir das Gebiet um Südgeorgien verlassen haben, wird mir immer schlechter, irgendwann geht gar nichts mehr, ich eile ins Bad und muss mich übergeben. Da war ich wohl zu voreilig und hatte schon mit einem eindeutigen Sieg über Mr. Seasick gerechnet, aber weit gefehlt. Jetzt helfen gegen die Übelkeit erst einmal vom Bordarzt erhaltene Zäpfchen (ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Zäpfchen genommen habe). Trotz Mr. Seasick verspüre ich aber immer noch Glücksgefühle, sobald meine Gedanken an Südgeorgien zurückwandern.

Leider ist der Tag nicht besser, ich kämpfe mit der Übelkeit, zu lange draußen kann ich auch nicht bleiben, hin und wieder gehen wir raus und beobachten die Tierwelt, wenn sich etwas blicken lässt. Das Mittagessen fällt für mich aus. Zum Abendessen werde ich von meinem lieben Mann mit Zwieback und Tee versorgt. Zwieback schmeckt richtig lecker, so hatte ich ihn gar nicht mehr in Erinnerung.

So gerne würde ich den einen oder anderen, sicherlich sehr interessanten Vortrag besuchen, aber im Grand Salon würde ich es jetzt nicht aushalten.

Objektiv betrachtet, auch im Hinblick darauf, dass ich mich übergeben musste, hat Mr. Seasick heute doppelte Punkte eingefahren …

Mr. Seasick – ich = 5:8
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S@bine

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 09.Oktober 2014 15:15:54 »
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Tag 12 – Seetag (und Passage Elephant Island)

Windstärke: 3
Seestärke: 5
Temperatur: bis 3° Celsius
Sonnenaufgang: 03:33 Uhr, Sonnenuntergang: 22:08 Uhr



Heute geht es mir wieder dank Zäpfchen besser, zumindest muss ich mich nicht mehr übergeben. Frau ist ja gar nicht mehr so anspruchsvoll und erfreut sich auch an kleinen Fortschritten …

Um die Mittagszeit sehen wir die ersten Ausläufer der antarktischen Halbinsel. Wir passieren Elephant Island, wo Sir Ernest Shackleton so lange mit seiner Mannschaft überlebte, ohne auch nur einen Mann zu verlieren. Auch der blinde Passagier, der sich sicherlich die Reise anders vorgestellt hatte, überlebte im Kreis der Mannschaft. Hier wurden dann – nach der Überfahrt der sechs Männer nach Südgeorgien – die 22 Männer, die ausharrten, gerettet. Ich habe gelesen, dass hier ein Denkmal von den Chilenen errichtet wurde, im Andenken an Luis Pardo, dem Kapitän der Yelcho - das Schiff, das die Mannschaft wieder zurückholte.

Immer wieder ertappe ich mich dabei, welchen Respekt ich davor habe, was diese Männer hier vor gut einem Jahrhundert geleistet haben angesichts dieser für uns so lebensfeindlichen Umgebung … und wir sind im Sommer hier.

Im Laufe des Tages habe ich den Eindruck, dass die Lektoren irgendwie immer auf dem Sprung zu sein scheinen, wenn wir ihnen begegnen. Mein Eindruck soll mich nicht getäuscht haben, denn beim Recap und der Vorschau auf den morgigen Tag sollten wir Näheres erfahren.

Diese tägliche Zusammenkunft fällt heute relativ kurz aus, denn uns wird eine Programmänderung mitgeteilt. Wir haben einen Notfall an Bord und die erkrankte Person muss evakuiert werden. Auf dem Schiff gibt es eine Krankenstation und auf dieser Reise ist neben dem Schiffsarzt noch ein weiterer Arzt anwesend, aber die Erkrankung scheint so schlimm, dass versucht wird, die Person in ein Krankenhaus nach Punta Arenas auszufliegen.

Wir hören das und sind sofort wieder gedanklich bei Herrn Appendix in Afrika. Soweit es überhaupt möglich ist, uns in die Situation hinein zu versetzen, hoffen wir nur sehr, dass alles mit der Evakuierung klappen wird. Unsere Empathie in diesem Falle, die wir sicherlich auch schon früher hatten, ist aber noch einmal um ein Vielfaches geschärft durch unsere Erfahrung auf unserer vorherigen Reise. Neben der ganzen seelischen Belastung muss jetzt auch noch der ganze logistische Aufwand einer Evakuierung organisiert werden und das in dieser Region. Gut, wenn man dann Menschen, wie jetzt auch hier auf der MS Delphin, um sich hat, die einem helfen und wissen, was zu tun ist.

Der Plan ist, dass wir nachts auf Reede vor Bellinghaus auf King George Island gehen werden, wo dann ein Flugzeug aus dem chilenischen Punta Arenas eintreffen soll, um die Evakuierung durchzuführen. Auf King George Island gibt es verschiedene Forschungsstationen unterschiedlichster Nationen. In der Bucht, wo wir auf Reede gehen werden, gibt es zwei Forschungstationen recht nah beieinander, Bellinghausen (von Russland) und Eduardo Frei (von Chile) und zum großen Glück gibt es hier auch eine Landebahn für Flugzeuge.

Wir müssen uns auch darauf einstellen, dass unser erster geplanter Landgang auf Half Moon Bay aller Voraussicht nach aus zeitlichen Gründen aufgrund der Evakuierung ausfallen wird. Für uns ist das jedoch selbstverständlich, denn in solch eine Notlage kann jeder geraten und wer ist dann nicht heilfroh, wenn ihm geholfen wird?

Den Landgang einfach später nachzuholen geht nicht, denn lange im Voraus muss angemeldet werden, welches Schiff, wann und wo anlandet. Dies ist alles in diesem fragilen Ökosystem streng geregelt und das ist, meiner Meinung nach, gut so!

Mit dem Gedanken an die erkrankte Person und der Hoffnung, dass alles gut ausgehen wird, gehen wir zu Bett. Dagegen ist meine heutige Niederlage gegen Mr. Seasick nur der Form halber erwähnenswert. Ein Punkt geht heute an Mr. Seasick.

Mr. Seasick – ich = 6:8
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kika

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 09.Oktober 2014 16:24:27 »
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Danke Sabine für deinen Bericht. So kann ich die Reise nach über einem Jahr noch mal genießen.
LG Kika
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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 09.Oktober 2014 19:18:38 »
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Tag 13 – Reede vor King Edward Island, Deception Island und Landgang in der Whaler‘s Bay

Windstärke: 6
Seestärke: 5
Temperatur: bis 5° Celsius
Sonnenaufgang: 03:43 Uhr, Sonnenuntergang: 22:34 Uhr



Gegen 1:00 Uhr nachts haben wir die Bucht vor Bellinghaus erreicht, so erfahren wir später. Wir haben da geschlafen. Gegen 5:00 Uhr morgens wache ich auf. Es ist bereits taghell, und ich gehe mit der Kamera in der Hand nach draußen. Eine unglaubliche und zugleich unwirkliche Stille erwartet mich. Ich bin so gut wie alleine auf Deck. Die tiefblaue See in der Bucht ist spiegelglatt. Am Ufer erblicke ich eine ganze Menge Häuser, wobei ich nicht weiß, ob sie zur Station Bellinghaus, zur Station Eduardo Frei oder möglicherweise beiden gehören. Auf einer kleinen Anhöhe steht eine russisch-orthodoxe Kirche, die Dreifaltigkeitskirche. Sie ist aus Holz erbaut und die typischen Zwiebeltürmchen sehen sehr nett aus.

Unglaublich, ich kann nicht beschreiben, was ich gerade fühle, hier am anderen Ende der Welt. Eine unwirkliche, ruhige und so friedliche Stimmung.
Sogleich wandern meine Gedanken aber ab und drehen sich um die Evakuierung, ich frage mich, hat sie bereits stattgefunden, hat alles geklappt? Später am Tage werden wir erfahren, dass das Flugzeug aus Chile da bereits gelandet sein muss und dass die Evakuierung in der Folge nach Plan verlaufen ist. Eine Nachricht, obwohl wir nicht direkt von dieser Situation betroffen waren, die uns sehr freut.

Ich muss zugeben, dass ich manchmal auch daran denke, beziehungsweise mir gar nicht ausmalen will, was passiert wäre, hätte sich Herr Appendix nicht in Windhoek, sondern auf dieser Reise gerührt, zu frisch sind die Erinnerungen noch bei mir. Dagegen ist Mr. Seasick doch geradezu lächerlich, zwar lästig, aber spätestens in Ushuaia wird er sich wohl dann hoffentlich verabschieden. Heute habe ich auch noch kein Mittelchen gegen Mr. Seasick nehmen müssen. Jetzt hier in den geschützteren Gewässern ist die See nahezu spiegelglatt und das nicht weit entfernt von der berüchtigten Drake Passage.

Die meiste Zeit des Vormittags verbringen wir an Deck bei strahlend blauem Himmel. Wir fahren an verschiedenen Inseln, mal mehr mit Eis bedeckt, mal etwas weniger. Riesige Gletscher sind an den Berghängen zu sehen und dazwischen immer mal wieder Eisberge. In weiterer Entfernung sehen wir ein anderes Schiff, wir erfahren später, dass gleichzeitig mit unserem 21 weitere in den Gewässern unterwegs sein sollen.

Wir haben noch ein Ziel vor Augen für heute, was ein weiterer Höhepunkt der Reise werden soll: Deception Island – die Fahrt in den Caldera hinein verspricht Aufregendes. Ein Landgang ist hier ebenfalls geplant, natürlich nicht ohne vorher gründlich abgesaugt zu werden, denn es ist der erste Landgang im Bereich der antarktischen Halbinsel.

Deception Island ist ein noch aktiver Vulkan. Es gibt hier auch heiße Quellen und Fumarolen, man mag es kaum glauben, aber hier kann man sogar ein Bad nehmen, jedoch immer darauf achtend, das Wasser ordentlich zu verteilen, denn die Unterschiede nur wenige Zentimenter entfernt voneinander können extrem sein. Wir werden später darauf verzichten und schauen uns lieber in der Whaler‘s Bay bei unserem Landgang um.

Doch zuerst heißt es, erst einmal in die Caldera hineinzufahren. Ich hatte schon vom Eingang gelesen, man fährt durch eine schmale Öffnung mit dem Namen „Neptune‘s Bellow“ hindurch, der einzige Zugang. Als wir dann jedoch mit unserem Schiff uns so langsam auf Neptuns Blasebalg hinzu bewegen, wird mir ein klein wenig mulmig, soooo schmal hatte ich mir die Einfahrt nicht vorgestellt. Aber ich habe volles Vertrauen zum Kapitän, der sich in diesen Gewässern nicht das erste Mal aufhält. So fahren wir langsam durch die schmale Öffnung, auf der einen Seite eine hohe Felswand mit einer Pinguinkolonie, zu der wir etwas mehr Abstand haben, aber nur, weil sich zwischen dieser und dem Schiff noch ein Felsen befindet. Ich frage mich, ob das dort liegende Wrack des britischen Walfangschiffes seinerzeit ein Opfer dessen wurde?

Auf der anderen Seite erscheint mir die Felswand (Cathedral-Wand) fast zum Greifen nahe. Unser Kapitän fährt die MS Delphin sicher in die Caldera, wir drehen eine kleine Runde, bevor das Schiff auf Reede geht. Da wir heute die letzte Gruppe (wir hatten ja das Vergnügen bei den paarungswilligen Robben die ersten sein zu dürfen), haben wir noch Zeit und machen vom Schiff schon einmal Bilder aus allen möglichen Blickwinkeln und genießen die Szenerie.

Irgendwann ist es dann soweit und wir können die Zodiacs besteigen, die uns ans Ufer der Whaler‘s Bay bringen. Wir erkunden das Gelände der alten Walfangstation, die langsam aber sicher zerfällt. Unwillkürlich muss ich an Kolmannskoppe bei Lüderitz denken, nur dass hier nicht Diamanten der Grund für die Errichtung waren, sondern auch auf Deception Island Wale abgeschlachtet wurden und jetzt hier zwischen den Resten der Walfang- und Forschungsstation Zügel- und Eselspinguine leben.

Auch hier wieder eine unwirkliche Szenerie und Mischung aus Resten alter Gebäude, Maschinen, eines Flugfeldes, der noch ganz ordentlich aussehende dazugehörige Hangar, riesige Tanks – alles Zeugnisse des menschlichen Einflusses in dieser abgelegenen Gegend, dazwischen so posierlich dahin watschelnde Zügel- und Eselspinguine und das Ganze vor grandioser Naturkulisse in absoluter Stille, … wenn nicht gerade die Pinguine, der eine oder andere Mitreisende oder klickende Kameras von sich hören lässt, wobei die Pinguine mit Abstand am lautesten von sich hören lassen. Wir gehen noch ein ganzes Stück den Ronaldhügel hinauf, von dem man einen grandiosen Blick auf den Kraterrand und die Caldera hat. Dann neigt sich auch dieser hoch interessante und schöne Landgang dem Ende zu und wir fahren in den Zodiacs zurück zum Schiff.

Gegen 20:00 Uhr verlassen wir Deception Island und nehmen Kurs auf Port Lockroy im Palmer Archipel.

Den heutigen Tag habe ich tapfer durchgestanden, die See war spiegelglatt und festen Boden unter den Füßen gehabt zu haben, tat sein Übriges, um einen Punkt für mich und gegen Mr. Seasick vermelden zu können.

Mr. Seasick – ich = 6:9
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Känguru

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 09.Oktober 2014 20:49:44 »
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Supiiiii, habe gerade entdeckt, dass Du fleißig warst und Deinen Bericht weiter geschrieben hast  cheesy
Den werde ich am WE doch mal gemütlich bei einer Tasse Kaffee lesen.

LG Karin
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S@bine

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 10.Oktober 2014 21:11:27 »
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Tag 14 – Passage Neumayer Kanal, Landgang Port Lockroy (Palmer Archipel), Paradise Bay

Windstärke: keine Notiz (war aber recht windstill)
Seestärke: keine Notiz (die See war jedoch spiegelglatt)
Temperatur: bis 5° Celsius
Sonnenaufgang: 03:38 Uhr, Sonnenuntergang: 23:08 Uhr



Ein Tag vollgepackt mit Höhepunkten. Ich denke, das ist es, wie ich im Nachhinein diesen Tag bezeichnen würde. Aber der Reihe nach.

Früh aufstehen ist heute wieder angesagt. Noch vor dem Frühstück gegen 6:00 Uhr steht die Passage des Neumayer Kanals auf dem Programm. Diese Durchfahrt wird uns zum nächsten Platz auf Reede bringen, nämlich vor Port Lockroy.

Bei unserer Reise stelle ich immer wieder fest, dass einem unwillkürlich deutsche Namen begegnen, so wurde auch der Neumayer Kanal nach einem Deutschen benannt: Georg von Neumayer. Der Neumayer Kanal ist 30 km lang und die Breite variiert zwischen 2 km und 4 km, die mir bei der Durchfahrt aber irgendwie schmaler vorkommen, so nah erscheinen mir Felswände, Berge und Gletscher. Wir brauchen knapp 1 ½ Stunden für die Fahrt durch diese wundervolle Straße aus Fels, Wasser und Eis. Links und rechts des Kanals reichen die Gipfel bis 1.000 Meter (vom Wasserspiegel gerechnet) in die Höhe. Gletscher winden sich die Berghänge hinab, in den Farbtönen weiß, hellblau bis hin zu dunkelblau. Im Wasser schwimmen kleinere Eisbrocken und größere Eisfelder. Vorne am Bug des Schiffes steht während der ganzen Fahrt ein Mitglied der Mannschaft und hält wohl Ausschau nach Eismassen/-bergen, denen man besser nicht zu nahe kommt.

Hätte ich diesen Tag besser beginnen können, als die Fahrt zu genießen durch diese märchenhafte Welt aus Fels, Wasser und Eis - fast lautlos dahingleitend? Wohl kaum …

… dann plötzlich, die Zeit vergeht wie im Fluge, sind wir an unserem nächsten Ziel und gehen auf Reede in der Bucht vor Port Lockroy. Dieser Landgang sollte für mich eines der Top-Highlights der Reise werden. Zuerst fahren wir zu einem Fleckchen, wo wir aussteigen, um die dortige Eselspinguin-Kolonie zu besuchen. Bei jedem Schritt müssen wir buchstäblich aufpassen, dass wir nicht einem im Weg stehen, wir versuchen den vorgegebenen Mindestabstand zu wahren, aber die Pinguine interessiert das weniger, was sie auch lautstark monieren, ein unglaubliches Gewusel rings um uns herum und was mich total begeistert, sehr viele dieser Pinguine haben unter ihrem Gefieder noch viel süßere kleine Eselpinguine. Zwischendurch schauen sie unter dem schützenden Federkleidchen hervor, oft werden sie dann gefüttert. Einfach nur wundervoll.

Wir beobachten das Treiben, jeder dieser kleinen Frackträger hat seinen eigenen Charakter, es ist einfach nur großartig, das alles zu beobachten. Eine Bande Teenager macht sich einen Spaß daraus, ins Wasser zu hüpfen und dann wieder an Land. Ich muss laut auflachen, als ein kleines Stück Eis bricht und mit dem darauf stehenden und gleichzeitig verdutzt dreinschauenden Pinguin ins Wasser fällt. Es ist einfach nur zu putzig.

Zwischen den Pinguinen nisten Seevögel, in deren Nester auch schon das eine oder andere Junge geschlüpft ist. Wir gehen ein Stück weiter und erspähen noch recht nah auf Eis liegend zwei Wedell-Robben. Diesen Platz empfinde ich so grandios, dass ich kaum merke, wie schnell die Zeit vergeht.

Wir setzen mit dem Zodiac auf die andere Seite der Bucht über, wo wir uns an Pinguinen vorbei, die auch auf der Treppe vor dem Museum sitzend, einen Weg bahnen. Wir statten dem Laden einen kleinen Besuch ab, um die obligatorischen Postkarten – auch diese werden einige Wochen später zuhause eintreffen – zu kaufen. Danach schauen wir uns noch das Museum an, wo man mehr darüber erfahren kann, wie man früher in einer Forschungsstation gelebt hat. Sehr interessant, was wir da so zu sehen bekommen. Über die Sommermonate ist Port Lockroy mit 3 bis 4 Personen besetzt. Gegen Mittag sind wir wieder zurück auf dem Schiff … und wäre das noch nicht genug Eindrückliches für heute gewesen, geht unsere Fahrt weiter mit Ziel Paradise Bay.

Paradise Bay, Paradies Bucht – wie stellt man sich eine Bucht mit diesem Namen vor? Wahrscheinlich ganz unterschiedlich, der eine oder andere vielleicht mit weißem Sandstrand, türkisblauem Meer, wiegenden Palmen und menschenleer oder vielleicht auch einfach nur ein langer Sandstrand mit weiten Dünen, an denen man stundenlange Spaziergänge machen kann, vielleicht aber auch ganz strandlos, mit Regenwald, der direkt in den Ozean übergeht. Wie auch immer, jeder mag eine eigene Vorstellung haben, für mich klingen alle oben beschriebenen Buchten paradiesisch, aber wie um Himmels willen sollte ich mir eine Bucht auf dem eisigen, kalten 6. Kontinent vorstellen, die diesen Namen trägt?

Wir fahren hinein in diese Bucht … ringsum wieder umgeben von den Farben weiß, hellblau, dunkelblau, tiefblau und hier und da Farbtöne in grau, dunkelgrau, fast schon schwarz. Weiß sind die Eisberge und –schollen, die um das Schiff herumschwimmen, weiß sind aber auch die Eisfelder und Gletscher, die von nahezu jeder Seite hinunter mit ihren Abbruchkanten ins Wasser ragen. Dazwischen die Gletscherspalten, die in den verschiedenen wunderwollen Blautönen leuchten. Tiefblau und spiegelglatt die See, nur gesprenkelt durch weißes Eis. Grautöne, manchmal fast ins Schwarz gehend, wirken die Felsen, die hier und da unter dem Eis hervorkommen und zeigen, dass die Antarktis aus Land besteht und einen Kontinent darstellt, anders als die Arktis. Es ist ein Panorama, das seinesgleichen sucht, und auch wenn ich bisher das „Paradies“ mit anderen Breitengraden in Verbindung gebracht habe, dieser magische Ort, gepaart mit dieser Stille, wie man nicht allzu viele Orte auf unserem Planeten findet, trägt diese Bucht für mich zurecht diesen Namen: Paradise Bay.

Egal, wo man sich auf dem Deck befindet, es ist ein wahrhaft paradiesischer 360° Grad Blick. Schaut man genauer hin, sieht man Seevögel, die ihre Kreise ziehen, Pinguine, die sich an der kleinen Station, die unwirklich aussieht in diesem Panorama, eingerichtet haben.

Recht spät am Abend sind wir noch eingeteilt für eine Zodiactour durch diese Eiswelt, verbunden mit einem kurzen 5-minütigen Landgang auf antarktischem Festland. Leider habe ich mittlerweile neben größerer Übelkeit auch noch so starke Kopfschmerzen, dass ich jederzeit damit rechne, mich übergeben zu müssen. So schaue ich mir das Spektakel von Deck aus an. Mein Mann macht die knapp 1-stündige Tour mit und wird mir später davon berichten, wie sich das Zodiac durch kleinere und größere Eisberge den Gletscherabbruchkanten genähert hat. Ich habe das Zodiac zumeist vom Schiff aus im Blick.

Ein sehr langer, aber wunderbarer Tag neigt sich dann auch dem Ende zu. Alleine für diesen Tag hat die ganze Reise schon gelohnt. Egal, was sich Mr. Seasick einfallen lässt, egal, dass er einen weiteren Punkt für sich verbuchen kann, egal, egal, egal.

Mr. Seasick – ich = 7:9
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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 10.Oktober 2014 21:17:59 »
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Tag 15 – Passage Lemaire Kanal, Petermann Island, Drake Passage

Windstärke: 8
Seestärke: 6-7
Temperatur: bis 1° Celsius
Sonnenaufgang: 03:34 Uhr, Sonnenuntergang: 22:55 Uhr



Gestern Abend haben wir noch weiter Kurs Richtung Süden genommen, wo wir dann auch beim 65. Breitengrad den südlichsten Punkt unserer Reise erreichen werden.

Auch heute heißt es wieder, früh aufstehen, denn wieder steht eine Fahrt durch einen Kanal vor uns. Gegen 6:00 Uhr fahren wir in den Lemaire Kanal ein. Die Fahrt durch diesen Kanal soll eine der spektakulärsten Schiffspassagen der Welt sein, wie ich gelesen habe. Der Lemaire Kanal ist 15 km lang und wir werden knapp eine Stunde benötigen, um hier durchzufahren. Zwischendurch frage ich mich immer wieder, hoffentlich passt soweit alles, denn die Felswände links und rechts ragen bis zu 1.000 m hoch und kommen ausgesprochen nah. Wir genießen die Durchfahrt, gut verpackt, in vollen Zügen.

Dann haben wir auch schon Petermann Island erreicht. Für unseren letzten Landgang hier sind wir heute die erste Gruppe, die an Land gehen darf. Das Schiff liegt auf Reede, aber es ist recht wackelig geworden, und die See ist auch nicht mehr spiegelglatt. Eine Durchsage kommt, dass sich der Landgang noch verzögert, die Verhältnisse sind nicht so, dass wir mit den Zodiacs übergesetzt werden können. Wir warten und warten und warten, aber leider wird es nicht besser und aus Sicherheitsgründen wird dann entschieden, dass die Anlandung auf Petermann Island abgesagt werden muss. Als Ersatz werden noch Zodiacfahrten angeboten, die bis zur Insel, auf der sich die ukrainische Forschungsstation Vernadsky befindet, führen. Es ist zwar schade, dass wir jetzt Petermann Island nicht besuchen können, aber wer sich für eine Reise in die Antarktis entscheidet, weiß in der Regel darum, dass man hier nicht einen Programmpunkt nach dem anderen abspulen kann. Zu ungewiss sind die Wetterbedingungen. Wir haben bisher sehr großes Glück mit unserem Programm und dem Wetter auf der Reise gehabt, und ich denke, es hätte kaum besser sein können.

Dann nimmt die MS Delphin auch schon Kurs auf Ushuaia, Tierra del Fuego/Feuerland. 698 Seemeilen (= 1.293 Kilometer) liegen vor uns. Wir gehen zum Mittagessen. Noch fahren wir in den geschützteren Gewässern der antarktischen Halbinsel und wir sind gespannt, wie uns die berühmte und berüchtigte Drake Passage empfangen wird. Direkt nach dem Mittagessen gehen wir auf die Kabine und wir erfahren, dass wir gleich in die Drake Passage einfahren werden und sprichwörtlich, als hätte man einen Schalter umgelegt, ist es vorbei mit der ruhigen Fahrt.

Obwohl uns die Drake Passage mit einem für ihre Verhältnisse ziemlich harmlosen Wellengang empfängt, wird mir sogleich dermaßen schlecht, dass ich mich übergeben muss und später ein weiteres Mal. Die Zäpfchen kommen nun wieder zum Einsatz. Seetauglich ist wahrlich etwas anderes. Abendessen fällt für mich definitiv aus und das erste Mal muss auch mein Mann zu einer Reisetablette, die aber die einzige für ihn auf dieser Reise sein wird, greifen.

Ich freue mich schon auf festen Boden unter den Füßen oder zumindest schon einmal auf die Gewässer des Beagle Kanals.

Mr. Seasick hat heute bei mir mit aller Macht zugeschlagen, er will es mir zum Ende der Reise wohl noch einmal zeigen, was ihm leider auch sehr deutlich gelingt. 2 Punkte für ihn …

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 10.Oktober 2014 21:22:35 »
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Tag 16 – Tag auf See (Drake Passage, Antarktische Konvergenz)

Windstärke: 6
Seestärke: 5
(Dünung 4 = was immer das genau bedeutet, aber ich glaube, Mr. Seasick hat da irgendwie seine Finger mit im Spiel)
Temperatur: bis 4° Celsius
Sonnenaufgang: 04:20 Uhr, Sonnenuntergang: 22:06 Uhr



Beim gestrigen feierlichen Abendessen soll der eine oder andere Platz leer geblieben sein, wie wir hörten. Ansonsten gibt es zu diesem Tag aus meiner Sicht nicht allzu viel zu berichten. Die Drake Passage zeigt sich von einer gnädigen Seite, allerdings immer noch zu viel für mich. Mir helfen nur Zäpfchen und mein lieber Mann ist Stammgast in der Küche, um für mich Tee und Zwieback zu holen. Dort scheint man aber darauf eingestellt, auch Spucktüten hängen mittlerweile auf dem Gang vor unseren Kabinen aus.

Einmal schaue ich gerade zur Tür hinaus, da sehe ich meinen Mann wieder zurückkommen, sich wiegend mit der einen Hand am Geländer festhaltend und mit der anderen kunstvoll schwingend das Tablett mit Tee und Zwieback balancierend. Dieses Bild später vor Augen zaubert immer noch ein Lächeln auf mein Gesicht, besonders als er mir im Anschluss sagte: „Es wäre schön, wenn wir das nächste Mal wieder eine Reise machen könnten, ohne Krankenhausaufenthalt oder den Steward geben zu müssen“. Ich möchte gar nicht wissen, wie es ist, wenn die Drake Passage nicht so gut gelaunt ist …

In Anbetracht dessen muss ich, jedoch widerwillig, Mr. Seasick 2 Punkte geben.

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« Letzte Änderung: 11.Oktober 2014 17:13:46 von S@bine » Moderator benachrichtigen   Gespeichert
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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 10.Oktober 2014 21:25:42 »
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Tag 17 – Ushuaia

Temperatur: bis 5° Celsius
Sonnenaufgang: 05:14 Uhr, Sonnenuntergang: 21:51 Uhr



Genauso plötzlich wie ich die Einfahrt auf die Drake Passage gemerkt habe, so merklich ruhig wird es, als wir in den Beagle Kanal einfahren.

Wir verfolgen von Deck aus die Anfahrt auf den Hafen von Ushuaia. Die Stadt liegt wirklich sehr schön vor einer netten Bergkulisse. Nach dem Anlegen gegen Mittag werden viele Mitreisende mit Bussen zu einer Tour in den Feuerland-Nationalpark abgeholt. Wir haben uns gegen diese organisierte Tour entschieden und wollen uns heute Nachmittag in Ushuaia umschauen und dort eine Privattour für morgen Nachmittag in den Park buchen.

Kein allzu leichtes Unterfangen, wie wir feststellen müssen. Wir klappern mehrere Veranstalter ab, aber alle haben nur noch Plätze in großen Gruppen, es ist Hochsaison. Dann bekommen wir einen Tipp, der uns in eine Seitenstraße führt und tatsächlich, dort kann man uns für morgen Nachmittag eine Privattour organisieren. Das wäre geschafft.

Wir laufen einmal quer durch Downtown Ushuaia, unser Ziel ist das Presidio (Gefängnis). In Ushuaia wurde seinerzeit eine Strafkolonie eingerichtet, heute dient das Presidio als Museum. Es gibt recht viel zu sehen und unsere Eintrittskarte wird auch morgen noch gültig sein, als ich danach frage. Prima, dann können wir uns ein wenig Zeit lassen.

Die Zellen waren winzig klein und wir nehmen auch den modrigen Geruch war. Unglaublich kalt wird es hier gewesen sein, stelle ich mir vor. In einem Flügel des Presidios sind in den ehemaligen Zellen teilweise die Haftbedingungen nachgestellt, teilweise gibt es auch Ausstellungen von politischen Gefangenen, wie sie sich hier mehr oder weniger eingerichtet hatten. Im ersten Stock in diesem Zellenflügel gibt es verschiedene informative Ausstellungen zu den Ureinwohnern oder auch Pionieren, wie z. B. vom deutschen Flieger Gunther Plüschow.

Zum Abendessen sind wir dann wieder rechtzeitig an Bord und verabschieden uns von dem sehr netten Hamburger Paar. Gerne hätten wir noch mehr Zeit mit den beiden verbracht, besonders auf den letzten Seetagen, leider hat Mr. Seasick aber des Öfteren dazwischen gefunkt.

Die Bewertung heute fällt mir ein wenig schwer. Ich denke, ein Unentschieden ist passend:

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Re:Ohne Herrn Appendix auf Sir Ernest Shackletons Spuren
« Antwort #40 am: 11.Oktober 2014 13:58:00 »
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Tag 18 – Ushuaia, Feuerland Nationalpark

Temperatur: bis 5° Celsius
Sonnenaufgang: 05:32 Uhr, Sonnenuntergang: 21:54 Uhr



Heute werden wir unsere schwimmende Unterkunft verlassen und gleichzeitig heißt es Abschied nehmen von Mr. Seasick, der unseren „Wettbewerb“, auf den ich gerne verzichtet hätte, ganz klar für sich entschieden hat. Abschied nehmen von Mr. S. ist für mich ohne auch nur den kleinsten Funken Wehmut verbunden. Vermissen werde ich diesen Kerl nicht, geschweige denn ihm auch nur eine Träne nach weinen.

Die Koffer haben wir bereits abends vor die Kabinentür stellen müssen und nach einem gemütlichen Frühstück, währenddessen wir beobachten können, wie auf dem Pier die Gepäckstücke schön ordentlich nach Gruppen aufgestellt werden, verlassen wir die MS Delphin.

Oft hatte ich schon von Kreuzfahrtreisenden gehört, dass sie ein Schwanken verspürt haben, als sie dann an Land gingen und dies auch noch ein wenig angehalten hat. Ich hingegen habe dies kein einziges Mal gemerkt und werde auch nichts dergleichen merken. Ich führe es einfach darauf zurück, dass ich mich nie richtig an die Reise auf Wasser gewöhnt habe.

Wir sind froh, dass wir unsere Koffer rollen können. Von ganz am Ende des Piers bis zum Ausgang, wo keine Taxen etc. fahren dürfen, zieht es sich doch. Zudem regnet es. Hier zeigt sich ein kleiner Nachteil, dass wir alles separat gebucht haben, aber dies nehmen wir gerne in Kauf. Ansonsten hätten wir letzte Nacht noch bis Buenos Aires fliegen müssen und wären schon fast wieder zu Hause.

So haben wir jetzt noch eine Nacht in Ushuaia gebucht und im Anschluss noch zwei in Buenos Aires. Wir finden ein Taxi und lassen uns zum Hotel fahren. Zum Laufen mit dem Gepäck ist es uns zu weit und die Straßen dorthin sind ausgesprochen steil. Gebucht haben wir das Alto Andino, das uns sehr gut gefällt. Es ist nicht allzu groß und hat ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Vom Frühstücksraum, der große Glasfronten und eine Terrasse hat, hat man einen sagenhaften Blick auf Ushuaia, den Hafen und die umliegenden Berge.

Noch können wir nicht unser Zimmer beziehen, so stellen wir unser Gepäck unter und machen uns noch einmal auf den Weg zum Presidio, wo wir uns das ansehen wollen, was wir gestern nicht geschafft haben, wie zum Beispiel ein weiterer Zellenflügel, in dem Künstler ihre Werke (Bilder, Skulpturen) ausgestellt haben. Hier kommen wir auch mit einem sehr netten Künstler ins Gespräch. Danach laufen wir noch einmal ins „Zentrum“, es regnet mittlerweile recht stark. Wir gehen noch in das eine oder andere Geschäft, bevor wir ins Hotel zurückgehen, denn bald sollen wir schon für unsere Tour in den Feuerland Nationalpark abgeholt werden.

Pünktlich steht dann der Wagen vor der Tür. Wir haben einen sehr netten spanischsprachigen Fahrer und einen ebenfalls sehr netten weiblichen Tourguide. Sie spricht sogar einigermaßen Deutsch.  Damit hatten wir nun gar nicht gerechnet. Es stellt sich heraus, dass sie am Vortag die Busse der Reisenden von der MS Delphin bei ihrer Tour begleitet hat. So erfahren wir auch später, dass wir wesentlich mehr Zeit haben und kleinere Wege laufen können, die aus zeitlichen Gründen in der Bustour nicht inbegriffen waren.

Im Gegensatz zum Vormittag wird es den Rest des Tages überwiegend trocken bleiben. Nur hier und da wird es klein wenig nieseln. Aber in Anbetracht des Gebietes, in dem wir uns befinden, haben wir großes Wetterglück.

Die Fahrt zum Eingang des Parks dauert nicht lange und unser erster Stopp ist an der Bahnstation, wo die kleine Bahn gerade losfährt. Wir schauen uns um und sind sehr erstaunt, dass hier auch Durchsagen auf Deutsch erfolgen. Das habe ich bisher nirgends sonst in Argentinien erlebt, manchmal konnte man schon froh sein, wenn etwas in Englisch ausgeschildert war.

Danach fahren wir zur Ensenada Bucht, wo wir kurz auf das Pier gehen; mit dem kleinen Holzhäuschen ein recht bekanntes Fotomotiv für diesen Park. Dann machen wir von hier aus eine schöne, kleine Wanderung, mit herrlichen Ausblicken aufs Wasser und durch einen verwunschenen Wald mit Bäumen, die mal mehr und mal weniger Flechten tragen. Auf unserem Weg sind wir fast alleine. Weiter geht es zum Besucherzentrum mit verschiedenen Stopps auf der Fahrt dorthin. Die Ausstellung im Besucherzentrum ist nett und informativ gemacht.

Wir fahren weiter zu einem Punkt, wo wir mit unserer Reiseleiterin raus gelassen werden. Der Fahrer wird uns später wieder an einem anderen Punkt aufnehmen. Wir machen eine Wanderung durch ein sehr schönes Gebiet, sehen einen Fuchs und erreichen einen Aussichtsbalkon im Wald, der einen wundervollen Blick auf die darunterliegende Bahia Lapataia und die Bergwelt freigibt. Dann gehen wir hinunter zur Bucht. Hier steht das berühmte „Am Ende der Welt Schild“. Na ja, dass hier noch nicht das „Ende der Welt“ ist, wissen wir ja …

Wir gehen entlang der nett angelegten Wege und genießen die schönen Ausblicke. Schnell ist schon Abend und wir fahren zurück nach Ushuaia. Noch schnell Duschen und schon ist unsere Verabredung da. Wir gehen mit einem Fomi essen, der sich zur gleichen Zeit in Ushuaia aufhält. Wir hatten uns schon vor einiger Zeit verabredet und verbringen noch einen sehr netten Abend.
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« Antwort #40 am: 11.Oktober 2014 14:00:43 »
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Tag 19 – Ushuaia – Buenos Aires



Wie herrlich, keine Übelkeit und ich muss keine Mittelchen mehr einwerfen.

Beim Frühstück genießen wir den herrlichen Ausblick auf die Bucht vor Ushuaia. Über Nacht muss es geschneit haben, die Berge ringsum haben Puderzucker aufgelegt. Dann kommt auch schon bald das Taxi, das uns zum Flughafen bringt.

Der Flughafen ist übersichtlich und sehr nett mit viel Holz errichtet. Mit Wehmut verlassen wir jetzt dieses so südlich gelegene Gebiet und fliegen auf einem äußerst ruhigen Flug in 4 Stunden mit LAN Airlines nach Buenos Aires, wo wir auf dem innerstädtischen Flughafen landen. Hier ist ein Gewusel, genauer gesagt, wirkt es auf mich schon ein wenig chaotisch.

Wir fahren zu unserem Hotel in San Telmo. Entschieden hatten wir uns für das Moreno Hotel, das mir besonders aufgrund der schönen Bilder der so gemütlich aussehenden Dachterrasse bei Ingrid aufgefallen war, der Preis bei Buchung war auch absolut okay. Außerdem wollte ich gerne diesmal nah an San Telmo sein. Der Eingang mit dem alten Fahrstuhl hat mir gefallen, leider fand man erst unsere Buchung nicht, irgendwann lag sie dann aber vor. Das Zimmer war zwar groß, aber der Funke sprang irgendwie nicht über. Als wir dann mit entsprechenden Erwartungen auf die Dachterrasse gingen, wurden unsere Gesichter länger. Nichts war von Kissen auf den Sitzgelegenheiten, die zu der gemütlichen Atmosphäre auf den Bildern beigetragen hatten, zu sehen. Nichts lud uns dazu ein, hier länger zu verweilen. Das Frühstück im Raum vor der Terrasse fanden wir ebenfalls nicht besonders, der Raum wirkte kühl. Hier hat es uns nicht sonderlich gefallen. Schade.

Wir gingen noch etwas essen, während ein Gewitter mit Starkregen nieder ging. Es war unglaublich heiß und schwül. Wenn es die Reiseroute nicht unbedingt erforderlich macht, ist der Hochsommer in Buenos Aires nicht meine erste Wahl.
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