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News: Like auf facebook: Ingrids-Welt - Die Reisecommunity

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  25.September 2018 15:39:02

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 Thema: Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”  (Gelesen 2445 mal)
opossum

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Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 07.Juli 2018 20:05:38 »
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Neues Land, fast neuer Kontinent, für mich in jedem Fall unentdecktes Terrain: Äthiopien.

Ich will in das “Land of Origins”: Anfang der Menschheit, denn hier wurde “Lucy” gefunden, die vor 3,2 Millionen Jahren mit ihren nur etwas mehr als 1 Meter Körpergröße bereits aufrecht gehen konnte.

Äthiopien ist der Anfang des Kaffees. Hirten haben festgestellt, dass ihre Ziegen nach dem Fressen der Kaffeebohnen aktiviert waren und haben herumexperimentiert, wie man die Wirkung nutzen kann. Schließlich sind sie auf das Rösten und Mahlen der Bohnen und das Zubereiten des Kaffees gekommen. Und ich versichere euch, dass Äthiopien heute noch den besten Kaffee der Welt hat, und zwar in Geschmack und Wirkung!

Und Äthiopien ist der Anfang des längsten Flusses der Welt. Der Nil, also der Blaue Nil entspringt im Tanasee bei Bahir Dar.

Äthiopien ist das einzige Land Afrikas, das niemals kolonialisiert war. Und das merkt man den Menschen an. Die Landesfarben erinnern an diese Unabhängigkeit, die die Menschen hier so stark macht. Grün steht für die Erde, gelb für die Liebe zum Land und rot für die Opfer für das Land.

Ihr seid herzlich eingeladen mit mir alle diese Anfänge, den Anfang meiner neuentdeckten Liebe zu diesem Land, die faszinierenden Landschaften, die wunderbaren Menschen und die uralte Kultur zu entdecken.

Aber ich beginne von vorne:

Dezember 2017: Das Jahr der hässlichsten Wintererkältungen seit Menschengedenken, und auch mich hat es erwischt. Ich liege mit Fieber im Bett und träume von besseren (Jahres)Zeiten. Und so erinnere ich mich, dass ich schon vor Jahren fasziniert war von Bildern des Erta Ale und der Dallol.

Und nach kurzer Nachfrage in einer Facebookgruppe, ob das individuelle Reisen in Äthiopien inzwischen möglich ist ohne arm zu werden einerseits und ohne verrückt zu werden andererseits, liegt ohne es in letzter Konsequenz durchdacht zu haben das Ticket nach Addis Abeba und zurück Mai 2018 in meinem Postfach und der vor Jahren schon gekaufte Reiseführer neben mir auf meinem Krankenlager.

Und nun geht die Planung los. Verschiedene lokale Anbieter werden angeschrieben, letztlich antwortet nur einer mit einem wirklich professionellen Vorschlag, zuverlässig, umgehend, super herzlich und in fast perfektem Deutsch: Muller Marelign von Simien Eco Trek.

Ich versuche es noch bei einer deutschen auf Äthiopien spezialisierten Agentur. Deren Vorschlag ist auch gut, soll aber bei fast gleicher Leistung fast doppelt so viel kosten wie bei Muller. Und für DAS Geld müsste man mir wirklich einen roten Teppich auf den Erta Ale auslegen und mich im Helikopter von Ort zu Ort fliegen.

Die Tour, wie ich sie letztlich gemacht habe:

FR Fahrt nach Frankfurt, abends Abflug
SA Landung morgens, Sightseeing in Addis
SO Flug nach Bahir Dar
MO Bahir Dar
DI Fahrt nach Gondar und Sightseeing
MI Fahrt in die Simien Mountains und kurze Wanderung
DO Fahrt nach Axum, kurzes Sightseeing
FR Weiterfahrt nach Mekele mit Besichtigung einer Felsenkirche in der Tigray-Region
SA Beginn der Tour in die Dallol
SO Besteigung des Erta Ale
MO Rückfahrt nach Mekele
DI Fahrt nach Lalibela
MI Besichtigung Lalibela
DO Flug nach Harar
FR Besichtigung Harar
SA morgens Flug nach Addis, abends Weiterflug nach Deutschland.
SO Morgens Landung in Frankfurt und Rückfahrt

Die Monate gehen ins Land, ich bin immer wieder hin- und hergerissen, ob ich nicht das Ganze wieder abblase: So fremd, so teuer, und dann die immer wieder als sauanstrengend beschriebene Tour in die Afarregion (Erta Ale und Dallol)… Will ich nicht lieber doch in mein geliebtes Indien? Und um mich herum wird gefrotzelt: 'Gib Fersengeld, sobald jemand mit begierigem Blick auf dich einen Topf mit Möhren aufsetzt' bis hin zu offen rassistischen Äußerungen wie 'Ach, mit Ethiopian Airlines fliegst du? Haben die wenigstens weiße Piloten?’

Aber nein, bis heute habe ich die Entscheidung nicht bereut. Und dass ich nach langer Zeit wieder mal einen Reisebericht schreibe, ist einerseits das riesige wohlverdiente Dankeschön an Muller und andererseits ein Mutmacher an alle, die auch mal nach Äthiopien wollen oder allgemein vor der Entscheidung stehen sich zu trauen in unbekannte Gefilde aufzubrechen oder nicht. Meine Antwort: Traut euch!
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opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 07.Juli 2018 20:07:32 »
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Nachdem es ja nun auch in diesem Forum den einen oder anderen Reisebericht gibt, habe ioch beschlossen, meinen auch hier zu posten, schließlich war der eine oder die andere aus der Community schon dort und andere interessieren sich für das Land.

Ich hoffe, es ist OK für alle?
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Känguru

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No worries

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 07.Juli 2018 20:21:12 »
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Hallo Birgit,

Zitat von: opossum am 07.Juli 2018 20:07:32
Ich hoffe, es ist OK für alle?

Bestimmt - hier freuen sich doch die Meisten über neue Reiseberichte  grin
Und wem es nicht passt, der muß ihn ja nicht lesen!

Ich bin auf jeden Fall dabei, auch wenn ich in nächster Zeit sicherlich nicht dorthin reisen werde. Aber ich bin gespannt auf Deine Erlebnisse und Erfahrungen.

Lieben Gruß
Karin
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Bärbel

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Jeder Tag ohne Lächeln ist ein verlorener Tag!

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 07.Juli 2018 20:41:37 »
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Natürlich sollte man hier auch Reiseberichte posten. Vor allem, wenn es in Länder geht die ich selbst wahrscheinlich niemals bereisen würde bin ich sehr daran interessiert. USA - Grand Canyon kann ja jeder....  grin

Bin ein Freund guter alter Reiseberichte, in Worten mit ein paar Bildern.

Diese ganzen jungen Dinger die in der Welt rumreisen, ständig neue Klamotten tragen, ihr Gesicht dauernd in die Kamera halten und von Ländern berichten als hätten sie gerade den heiligen Gral entdeckt und wären die ersten vor Ort (=Influencer auf Reisen) finde ich so ermüdend. Alle Seiten/Blogs sind gleich aufgebaut und alle halten ihr Gesicht für den Nabel der Welt.
Dann doch lieber hier im Forum mitlesen....  grin

Bärbel
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adMjM

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 07.Juli 2018 20:57:22 »
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Super!
Liebe Birgit
bin gerade an der Planung einer Äthiopienreise. Noch steht unsere Tour nicht und auch nicht wie, nur ungefähr wann  grin . Gelegener kann mir also Dein Bericht nicht kommen.
Viele Grüße Elisabeth
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@nna

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 07.Juli 2018 23:52:27 »
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Super, hab deine Reise zwar schon auf FB verfolgt, aber ein Reisebericht ist unschlagbar ! Zumal die Emotionen da schon derart ansteckend waren....

Danke für die Mühe !
Liebe Grüße
@nna
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opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 00:37:31 »
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18.5. und 19.5.: Von Erfurt nach Addis Abeba

Selbstverständlich hat mich auch dieses Mal wieder eine Erkältung im Griff, die aber schon wieder am Abklingen ist, als ich meinen Koffer packe.

Am Freitag setze ich mich mittags in den Zug, treffe mich, der Tradition gehorchend, noch mit Tanja und checke ein. Nun ja, soooo perfekt ist leider die Organisation der Airline nicht:

Eine Minireisegruppe regt sich auf, die drei Reihen mit insgesamt 9 Sitzen in der Mitte seien extra für die 4 Personen geblockt worden, zudem ist mein Platz an einen der Menschen dieser Gruppe vergeben worden. Ich bleibe sitzen. Immerhin beschert mir das in der ohnehin nicht ausgebuchten Maschine einen freien Sitz neben mir, sodass ich die Beine nachts zum Schlafen ein bisschen hoch nehmen kann.

Am Gate lerne ich zuvor noch Isabell kennen, eine sehr, sehr Nette aus der 'Wenn Frauen solo reisen’-Gruppe und 'Reisen in Äthiopien’ auf Facebook, die ihren äthiopischen Ehemann besucht. Die Äthiopiengruppe kann ich übrigens wärmstens empfehlen, kein Gezicke, nette, prompte und hilfreiche Antworten in kürzester Zeit und ‘Wenn Frauen solo reisen’ ist ja ohnehin der Dauerbrenner.

Der Flug ist ruhig, das Essen gut, ich kann noch ein bisschen Schlaf abgreifen.

Landung im Morgengrauen, Isabell weist mir noch eine Abkürzung zur Immigration, und dank des vorher schon bestellten und in den Pass eingetragenen Visums bin ich in 3 Minuten eingereist und habe weitere 10 Minuten später meinen Koffer.

Noch fix zum ATM und den Maximalbetrag ziehen, 4000 Birr in Hunderterscheinen, der größten Banknote, umgerechnet etwa 120 Euro.



Ich verlasse den Airport und bekomme, wie in vielen Ländern, erst einmal ein Taxi angeboten. Aber Muller, mit dem ich zuvor immer wieder per WhatsApp Kontakt hatte, holt mich ab, begleitet von einem Fahrer. Mullers Lachen sehe ich schon von Ferne, aufgrund eines zuvor geschickten Fotos erkennen wir uns gleichzeitig. Der hat echt Ausstrahlung!

Ich checke ins Hotel Eliana International ein, das hätte ich mir sicher auch selbst gebucht.

Vom Flug bin ich ziemlich durch, aber Sightseeing ist angesagt. Also hilft es nix, nach einer Stunde im Zimmer mit kurzer Dusche und einer 'Ich bin gut angekommen’-Meldung nach Hause geht es wieder los.

Ein erster äthiopischer Kaffee aus der unscheinbaren, aber innen sehr ursprünglichen traditionellen Kaffeebar Tomoca nebenan soll mich wieder auf Trab bringen und macht seinen Job zuverlässig.

Addis wird sicher nicht eine meiner Lieblingsstädte, aber interessant ist es schon. Ich bin ganz froh, dass ich dieses Mal nicht ganz auf eigene Faust unterwegs bin, und herumgefahren zu werden, hat schon viele Vorteile!

Erst geht es mit Muller an meiner Seite auf den Mercato, und wieder tun sich Erinnerungen an indische Märkte einerseits und die Slums in Mumbai andererseits auf. Hier wird alles verkauft, einfach alles! Und es wird recycelt und gebastelt.







Dann fahren wir nach Entoto, wo eine Kirche und der alte Kaiserpalast warten.Hier ist es deutlich kühler, denn wir sind hier nochmals einige hundert Meter höher als die Stadt, nämlich auf etwa 3000 Metern. Kirchenschätze breiten sich vor mir aus und ich erfahre einiges über die Geschichte des Landes.







« Letzte Änderung: 08.Juli 2018 00:40:00 von opossum » Moderator benachrichtigen   Gespeichert
opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 00:41:05 »
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Es geht noch in zwei Museen, und Muller berichtet mir tapfer, was es hier alles zu sehen gibt, von A wie Ackerbau bis Z wie Zupfinstrument. Ich gebe es zu, ich schalte zwischendurch ab, so viel Input nach dem Flug verarbeite ich gerade nicht.

Im Nationalmuseum kann ich aber noch Lucy hallo sagen. Lucy heißt Lucy, da die Archäologen bei den Arbeiten die Beatles gehört haben, also kenne ich Lucy in the Sky nun auch with diamonds. Das finde ich sehr schön!

Und außerdem lerne ich die Unterschiede zwischen Axum-, Gondar- und Lalibelakreuzen kennen.

Und dann finde ich noch die äthiopische Legende von der Königin von Saba sehr niedlich, die stammt nämlich aus Axum, jawohl! Aber die berichte ich, wenn wir in Axum sind.

Nur als es hier nochmals in eine Etage mit irgendwelchen Sensen oder Waffen geht, kann ich nicht mehr und winsele um Gnade. Diese wird mir gewährt, und ich darf im Hotel essen und ein paar Stunden Nachtschlaf nachholen, bevor es abends in ein traditionelles Restaurant geht.





Die Uhr im Auto zeigt immer eine völlig andere Zeit, und ich lerne, dass die Uhr hier anders gelesen wird. Der Tag beginnt mit 0 Uhr, wenn es nach herkömmlicher Zeitrechnung 6 Uhr morgens ist, die Nacht beginnt um 18 Uhr. Mittag ist also 6 Uhr. Hier ist es nun 8 Uhr, um 1 Uhr werden wir wieder starten. Ich finde es logisch und werde mich im Laufe der kommenden Tage sehr schnell damit anfreunden.

Im Restaurant abends gibt es einen ersten Eindruck von äthiopischem Essen, natürlich mit Injera, und ich bin froh, dass ich dreimal im Trainingslager war in Restaurants in Berlin, Los Angeles und Frankfurt und dort das Essen mit der bloßen Hand vorher schon geübt habe.

Kleiner Tipp: Da es nachmittags zu regnen begonnen hat, sind viele der Wege hier schlammig. Bei Regenwetter bietet es sich also an, nicht unbedingt die Riemchensandaletten zum Ausgehen anzuziehen, lieber Gummistiefel oder die praktischen abwaschbaren Crocs.

Im Lokal wird plötzlich wie wild heimlich gefilmt vom Fahrer und Muller, und ich wundere mich, warum die beiden gebildeten Jungs mit den tollen Umgangsformen plötzlich anfangen, wie wild runde Frauenpos in stramm sitzenden Glitzer-Leggings zu filmen. Das Rätsel wird schnell gelöst: Es handelt sich um eine bekannte Schauspielerin, die hier in Begleitung einer großen Handvoll sie anhimmelnder Herren isst und unter anderem eine ganze Flasche Whisky bestellt.

Ich überlege zwischendurch, ob ich Muller lieber frage, wann er in Deutschland war oder eher, wie lange er in Deutschland war, und schon erzählt er mir, dass er nie im Ausland war, Deutsch lediglich 6 Wochen lang im Goethe-Institut gelernt habe und den Rest sich selbst beigebracht habe. Wow!

Und im Laufe der Reise wird nicht nur er mir am eigenen Beispiel zeigen, dass Bildung und Erfolg hier ein Geschenk und eine Ehre ist, nicht nur er wird mich fast fassungslos vor Bewunderung zurücklassen, welch wirklich starke Menschen dieses raue und manchmal auch unerbittliche Land hervorgebracht hat.

Übrigens ist für mich das Beste des ganzen Tages die Menschen zu beobachten. Mullers Blick funkelt, wenn er lacht. Und das tut er oft und schaut mich immer direkt an. Der Fahrer, eigentlich Bachelor in Psychologie und Wirtschaft ohne Aussicht auf einen adäquaten Job, ist zu Herzen gehend sanft und freundlich. Wenn Menschen die Ferenji (mich) sehen, lachen sie. Es wird gebettelt wie in Indien, aber ganz oft wird mir nur 'hello’ oder eine beliebige anderen englische Vokabel zugerufen.

Nach der Rückkehr ins Hotel genehmige ich mir in der Bar noch einen Gin Tonic, beobachte nun gut lebende reiche feiernde Äthiopier in der Hotelbar und chatte noch ein wenig mit Muller und den Lieben daheim. Und hurra, das bislang störrische Whats App (offenbar wird das Internet hier sehr kontrolliert) macht nach dem Installieren einer VPN-App wieder mit!
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botswanadreams

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 07:03:54 »
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Hallo Opossum

Schön von Äthiopien einen neuen Reisebericht zu lesen. Das weckt Erinnerungen, besonders da es bei uns noch nicht mal ein Jahr zurückliegt, dass wir all Deine Stationen und noch ein wenig mehr selbst besucht haben. Danke.

LG nach Thüringen aus Sachsen
Christa
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opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 09:40:48 »
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Ach, prima, das freut mich, dass Äthiopien auf Interesse stößt und zur Reiseplanung sogar sehr willkommen ist!

Christa, habe gerade euren Reisebericht gelesen. Schade, hätte ich den nur schon vor der Tour gekannt!

Elisabeth, für mich stand in Äthiopien nach wenigen Tagen fest, dass es für mich "das afrikanische Indien" sein würde. Insofern: Das Land passt ganz sicher wunderbar zu dir!

Bärbel, du meinst diejenigen, die nach 2 Tagen an einem Ort ganz sicher Empfehlungen aussprechen können wie: "Die 23 besten Strände Thailands" und "Die 31 wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Italien"?
« Letzte Änderung: 08.Juli 2018 09:58:22 von opossum » Moderator benachrichtigen   Gespeichert
opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 09:58:33 »
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20.5: Reise nach Bahir Dar

Selbst Schuld, ich habe heute sicher einiges an Zeit verloren durch Buchen des späten Fluges. Aber das Ausschlafen war mir heute wichtig und auch es langsam angehen zu lassen. Gut, dass mir das vorher schon klar war, dass ich wieder mal völlig gestresst und KO in den Urlaub starten würde.

Muller und ich treffen uns am Hotel um die Tour zu besprechen. Er hat offenbar ein wenig Sorge etwas falsch zu machen. Aber das muss er gar nicht, er macht alles wunderbar, fast schon ein wenig überfürsorglich. Ich könne ihn jederzeit anrufen oder ihm schreiben und vielleicht kommt er selbst nach Harar um auf mich aufzupassen und zeigt mir die Hyänen.

Das einzige, was mich Überwindung kostet und einen harten Vertrauensvorschuss erfordert, ist das Überreichen von knapp 3000 Euro in bar. Eine andere Möglichkeit gibt es nicht. Muller will offenbar auch Devisen haben und ich sehe zudem ein, dass eine solche Summe in Drei-Euro-Scheinen nicht sinnvoll zu überreichen ist. Im Gegensatz zu mir, die ich mit so viel Bargeld in der Tasche einige Tode gestorben bin, nicht zuletzt bei der Einreise, hat er damit kein Problem. Und ich bewundere seine Fähigkeit blitzschnell die Scheine zu zählen. Inbegriffen ist alles außer den Flügen, Mittag- und Abendessen, meinen persönlichen Betrinknissen, Trinkgelder und Souvenirs. Aber er braucht Empfehlungen und hat bisher keinerlei Zweifel an seiner Seriösität aufkommen lassen. Und so vertraue ich ihm halt, nicht zuletzt wegen seines guten Rufes, der mir schon von mehreren Seiten bestätigt wurde.

Ich sitze nach den ersten 24 Stunden hier im Flugzeug zur Destination Nr. 2, Bahir Dar, und habe schon Photobombing hinter mir, nachdem ich mich auf das Foto des vor mir sitzenden Passagiers geschlichen habe. Er hat gelacht. Überhaupt ist das Lachen hier das, was mir bisher am meisten gefällt, denn Addis ist - zugegeben - nicht gerade eine Traumstadt auf den ersten Blick.

Ethiopian Airlines ist wieder mal unkompliziert, im Flieger sitzen nur etwa 40 Personen: Eine Handvoll Chinesen, ich und ansonsten nur Einheimische. Übrigens sind die Flüge spottbillig, wenn man nur den Internationalen Flug auch mit Ethiopian Airlines gemacht hat. Und daher geht bei so wenigen Menschen auch das Aussteigen schnell und die paar Koffer sind schnell da. Gewissenhaft wird überall überprüft, ob ich auch nicht illegal im Land bin.





Ein wieder sehr netter Guide (Yihenew) und ein freundlicher Fahrer holen mich ab und bringen mich zum Jacaranda-Hotel. Das ist auch OK.

Und so stromere ich wenig später los um den Tana-See und Bahir Dar kennenzulernen. Hier ist es völlig anders als in der Stadt. Menschen baden im See, andere sitzen vor schicken Cafés in der Stadt oder relaxten Locations direkt am See. Ich lasse mich treiben und kann vor einer Kirche archaische Bilder beobachten, die mich auf das Land aufmerksam gemacht haben.

Eine Frau teilt mit mir ein Stück Brot, das hier verkauft wird. Leider habe ich die etwas komplizierte amharische Vokabel für 'danke’ immer noch nicht drauf und hoffe, mein 'Thank you’ wird verstanden.














« Letzte Änderung: 08.Juli 2018 10:02:00 von opossum » Moderator benachrichtigen   Gespeichert
opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 10:01:26 »
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Ich gehe zur örtlichen Moschee und hoffe hier ein wenig 'Leute gucken’ zu können, aber nix da, die Ferenji wird selbst zur Sehenswürdigkeit. Groß und Klein steht um mich herum. Die Kinder werden manchmal von Erwachsenen liebevoll untergehakt und weggezogen, offenbar mit mahnenden Worten mich in Ruhe zu lassen. Nach einer Viertelstunde etwa wird es mir zu viel, ich gehe.





Übrigens beobachte ich auch immer wieder, dass bettelnde Kinder liebevoll ermahnt werden sich mir gegenüber zu benehmen.

An einer Art Schaukasten stehen Menschen, und als ich auch reinschaue und das Amharisch nicht lesen kann, löst sich das Rätsel, indem ein junger Typ mich grinsend anquatscht 'oh, are you looking for a job?’ Das seien Stellenanzeigen, ich bin also offensichtlich beim örtlichen Arbeitsamt gelandet.



Ich gehe selbst noch eine Pizza essen und Kaffee trinken und bin früh im Hotel. Nochmals essen gehen mag ich abends nicht, und so sitze ich einfach noch ein wenig vor dem Hotel und genieße den lauen Abend und die verhältnismäßig ruhige Stadt.

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yvy

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 10:27:33 »
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Sehr spannend!
Vor allem die Aufnahmen der Menschen und Märkte sind toll.
Ich liebe diese fremdländischen Eindrücke;
einfach eine andere Welt, die den Horizont erweitert und uns staunen lässt...


mehr davon  wink

LG yvy
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doro

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 22:38:11 »
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Wie schön, Birgit, dass ich nun auch hier lesen kann!  grin

Ich kann nur hoffen, dass durch Deinen Bericht Vorurteile abgebaut werden gegenüber diesem eindrucksvollen farbenfrohen Land, mit einer Kultur ohnegleichen in Afrika, mit freundlichen, sehr gläubigen, dennoch offenen  Menschen.
Von den Landschaften ganz abgesehen.    smiley

Liebe Grüße

Doro ( und Ulli )


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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 23:04:56 »
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Zitat von: doro am 08.Juli 2018 22:38:11
Wie schön, Birgit, dass ich nun auch hier lesen kann!  grin

Ich kann nur hoffen, dass durch Deinen Bericht Vorurteile abgebaut werden gegenüber diesem eindrucksvollen farbenfrohen Land, mit einer Kultur ohnegleichen in Afrika, mit freundlichen, sehr gläubigen, dennoch offenen  Menschen.
Von den Landschaften ganz abgesehen.    smiley

Liebe Grüße

Doro ( und Ulli )



Oh ja, Doro, das schaffen wir zusammen mit dem Abbauen der Vorurteile!

Ich hatte sie lange Zeit ja selbst. Ich weiß noch, als ich vor vielen Jahren das erste Mal in meinem Leben an einem Äthiopischen Restaurant vorbeikam und herumgewitzelt habe, dass man da wohl vor einem leeren Teller sitzenbleibe und gesagt bekomme, dass Wasser gerade "aus" sei...

Und das mit den Menschen stimmt! Ich möchte noch "klug" und "vernünftig" hinzufügen. Mit einigen meiner Guides bin ich heute noch in Kontakt und habe sie im Chat bei WhatsApp nochmals etwas besser kennengelernt: Neben netter Frotzelei gibt es immer wieder auch ernsthafte Themen, mit denen jeder auf seine Art soooo klug und umsichtig umgeht.
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opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 08.Juli 2018 23:59:52 »
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21.5. Tana Lake und Blue Nile Falls

Yihenew, der Guide, hat gestern angekündigt, es müsse früh losgehen, denn es gebe viel zu sehen. Und so klingelt der Wecker um 6 Uhr, sodass es um 8 Uhr losgehen kann.

Wir treffen uns in der Lobby, und ich werde mit einem big Smile empfangen.

Mullers Geheimrezept ist offensichtlich, dass er sich mit Menschen umgibt, die ihm ähnlich sind: Klug, gebildet, hoch anständig, zuverlässig und engagiert. Und so verbringe ich auch hier den Tag mit einem eigentlich Journalisten und Kommunikationswissenschaftler, der wie alle, die ich über Muller kennengelernt habe, so mit mir umgeht, dass ich in kürzester Zeit den Eindruck habe zu Gast bei Freunden zu sein. Habe ich schon erwähnt, dass auch er passabel Deutsch spricht?



Ich trabe etwa 10 Minuten mit ihm durch die Stadt bis zum See, wo wir ein Boot besteigen, das uns etwa eine Stunde über den Tana Lake schippert bis in die Nähe des Klosters Ura Kidana Meheret.

Wir finden uns in einem Dorf wieder, in dem zwar Souvenirstände den Weg pflastern, alles jedoch immer noch ursprünglich ist. Und so gehen wir etwa eine Viertelstunde zum Kloster über braune Erde, vorbei an Häusern aus Lehm und Stroh und unter anderem an einem Maler vorbei, der einen einzigen Satz auf Deutsch beherrscht: 'Alle Malereien sind aus Naturfarben hergestellt’.

Yihenew ist hier aufgewachsen und kennt daher offenbar jeden hier, und so grüßt er immer wieder und hält hier und da einen Schwatz.







Wir halten uns lange in dem ruhigen Kloster auf und sprechen über die Malereien und die dazu gehörenden Legenden und Bibelstellen. Wir witzeln herum, schweigen auch gemeinsam, betrachten die Malereien, und ich genieße die Stille des ansonsten leeren Klosters.







Wir besuchen noch das kleine angrenzende Museum und auf geht es zu einem sehr schönen Programmpunkt. Wir gehen nämlich durch den Wald zurück.

Yihenew findet für mich Affen und ein Wildschwein. Wir pirschen durch das Unterholz, und er muss dennoch einen Stein in Richtung eines schlafenden Schweins werfen um es aufzuscheuchen, weil meine zivilisationsverkrüppelten Augen es sonst nicht erkennen. Wildschweine können aber auch gefährlich sein. Yihenew hängt sich an einen Ast: Er könne da auch auf den Baum klettern, wenn es nötig sei, ob ich das auch könne? Siehst du, deshalb ist es besser nicht näher heranzugehen.

Wir kommen wieder an der Stelle an, an der unser Boot liegt und trinken noch einen Kaffee. Der am Morgen leere Platz ist nun gut besetzt von Einheimischen, die quatschen, Kaffee trinken oder Injera mit Soße essen. Yihenew und ich werden neugierig befragt, wer ich bin, woher ich komme, und es wird ganz gut herumgewitzelt.


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opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 09.Juli 2018 00:01:37 »
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Yihenew fragt nett, ob es okay wäre in 'meinem’ Boot jemanden mitzunehmen. Na klar, warum denn nicht, und der Hitchhiker steigt zu. Wie fahren noch zu der Stelle, an der der blaue Nil den Tanasee verlässt und sehen auf einem Haufen sicher 8 Nilpferde. Offenbar gibt es das wirklich nicht so oft, denn auch die beiden Jungs fangen an ihre Handys zum Fotografieren zu zücken.





Wir legen an einem Restaurant an und die Tour über den See ist beendet. Ich esse auf Empfehlung Yihenews Fischfilet mit Reis und Gemüse in Folie. Das Filet ist wunderbar!

Wie durch Zauberhand taucht vor dem Restaurant ein Auto auf. Das ist das Auto mit Fahrer, welches mich die nächsten 10 Tage begleiten wird. Eshetu, der Fahrer, Typ braver Junge vom Land, wirkt ein wenig schüchtern, aber wahrscheinlich sind es eher seine nicht ganz so guten Englischkenntnisse, die ihn vom Reden abhalten, denn mit Landsleuten spricht er gern und viel.

Wir fahren zu den Fällen des blauen Nil. Dazu fährt man ein paar Kilometer auf guter Straße und dann sicher eine halbe Stunde eine Piste. Hier beginnt die Landschaft schon sehr archaisch zu werden.

Und so landen wir an einer Stelle, an der wir noch einen lokalen Guide mitnehmen müssen - das sei Pflicht - und fahren weiter zum Ausgangspunkt der kurzen Wanderung. Der lokale Guide stört eher und verfügt über die Gabe immer irgendwie im Bild herumzuspringen.

Aber was wir sehen, ist interessant. Es macht Spaß über den Pfad zu gehen über die rotbraune Erde, über Stock und Stein.

Wir überqueren erst die uralte Brücke der Portugiesen und dann eine neue Hängebrücke. Yihenew ist intelligent und sensibel und versteht es immer mal mit einem Hinweis auf eine Pflanze oder einen Ausblick stehen zu bleiben bis meine Gesichtsfarbe wieder normal ist, während der lokale Führer etwas ungeduldig wirkend vorneweg springt.

Den Blick auf den Wasserfall genießen wir ausgiebig.













Wir gehen weiter durch dörfliches Leben über Felder, vorbei an Menschen, vor allem Frauen und Mädchen, die etwas auf dem Kopf tragen oder Wasserkanister mit sicher 20 Litern Inhalt auf dem Rücken haben und vorbei an spielenden Kindern.

Ich denke bei dieser ersten hautnahen Berührung mit dem Landleben daran, dass hier vieles mit Sicherheit nicht so idyllisch ist, wie es scheint auf den ersten Blick: Das Trinkwasserproblem, die Armut, fehlende Bildung...
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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 09.Juli 2018 00:02:26 »
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Wir setzen mit einem Boot über zur anderen Seite des Nils, wo auch schon unser Auto auf uns wartet.







Der Tag ist beendet, Yihenew wird nach Kontaktdatenaustausch herzlich verabschiedet und ich wasche mir jede Menge rote Erde von den Füßen und ruhe mich ein bisschen aus.

Ich beschließe zu testen, wie es abends so allein unterwegs ist und mache mich im Dunklen auf in die Stadt. Mich verfolgen gewispertes 'money, money’, 'ferenji’ und wahllose andere englische Worte von 'yes’ und ‘you’ bis ‘beautiful’. Und wieder kann ich beobachten, wie Erwachsene darauf achten, dass ich nicht von Kindern belästigt und verfolgt werde.

Dennoch passiert es. Ich sitze in einem Café. Ungefragt setzt sich jemand zu mir und drängt mir ein Gespräch auf. Ich will nicht unhöflich sein und lasse mir die Infos abringen, dass ich das erste Mal hier bin und kein Amharisch kann, das war falsch. Und damit bin ich Opfer. Mit einer Mischung aus Schmeichelei, Drohung und Verunsicherung wird mir Whisky angeboten. Nee, danke, lass mal! Ich will die Situation schnell und schmerzlos beenden, stehe auf, zahle drin und gehe. Jedoch stellt sich der Typ mir ungefragt in den Weg. Er will mich nicht vorbeilassen und fasst mich am Arm. Ich sage, ich rufe die Polizei, er geht nicht und versperrt mir den Weg. Ich spreche wildfremde Menschen an und bitte sie mir zu helfen. Daraufhin ist er blitzschnell verschwunden.

Auf den Schreck erstmal 2 Gin Tonic im Hotel und ein insgesamt super gelungener Tag ist trotz eher unangenehmer 5 Minuten in den Abendstunden beendet.
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opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 10.Juli 2018 07:50:36 »
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22.5. Unterwegs nach Gondar

Eshetu und ich müssen uns auf der ersten Fahrt allein miteinander erstmal aufeinander einschwingen. Etwa alle halbe Stunde dreht er sich zu mir und fragt “Are you OK?”, was ich stets bejahen kann.

Und ich muss mich auf Äthiopien immer noch einschwingen… Es warten bizarre und fremdartige Eindrücke auf mich. Afrika ist hart, und das merkt man so schon schnell. Bilder flitzen an mir vorbei, im Grunde zu schnell um sie zu erfassen.

Ein bis auf ein T-Shirt völlig nackter Mann läuft auf der Straße umher, niemanden kümmert es. Eine prunkvolle Beerdigung mit einem endlos scheinenden Zug weiß gekleideter Leute. Kurz darauf eine ärmliche Beerdigung, bei der zerlumpt Gekleidete eine Trage mit Lumpen zu tragen scheinen. Ein Hund gerät zwischen uns und den Gegenverkehr und kommt zwischen die Räder. Bei einem kurzen Blick zurück sehe ich, wie er zuckend verendet. Menschen kacken direkt neben der Straße auf das Feld. Und überall immer wieder Menschen mit Knarren, nicht nur Militär, sondern auch Bauern, von denen ich nicht weiß, ob sie ihr Hab und Gut gegen wilde Tiere oder gegen böse Menschen verteidigen wollen und wen oder was sie im Ernstfall erschießen würden. Kleine Kinder im Kindergartenalter gehen zu zweit Hand in Hand oder ganz allein am Straßenrand entlang, ohne dass ein Erwachsener in der Nähe ist. Die müssen gute Schutzengel haben!

Aber es gibt auch viele schöne Bilder, malerisch, archaisch, exotisch: Ortschaften am Rande, ursprünglich gekleidete Menschen, Tierherden, Eselgespanne, Brunnen. Es gibt weite Blicke über tiefbraune Erde auf Menschen, Tiere und Pflanzen, untermalt von der äthiopischen Musik, die Eshetu in so ziemlich jeder Minute Fahrt unablässig dudelt.

Gegen Mittag erreichen wir Gondar, eine der früheren äthiopischen Hauptstädte. Das Hotel ist etwas außerhalb, und so sehe ich von der Stadt nicht mehr als das für Touristen vorgesehene Programm.

In der etwas längeren Mittagspause bestelle ich Spaghetti Carbonara und erhalte höllisch scharfe Spaghetti Bolognese. Man besteht darauf, dass das Carbonara sei. Nun gut, andere Länder, andere Sitten. Sie schmecken gut. Als Ausgleich gibt es Kaffee aufs Haus, einen besonders liebevoll gestalteten Macchiato.

Eshetu stellt mir seinen Bruder vor, der hier lebt. Er scheint Zeit zu haben und begleitet uns über den Tag. Ein netter Junge, etwas lebhafter als Eshetu. Am Nachmittag startet das Sightseeing, es stehen hier immer die Burganlage mit den 6 Schlössern, das Kloster Debre Berhan Selassi und das Bad des Fasilides an.

Die Palastanlage besteht aus 6 Schlössern und zahlreichen Nebengebäuden, die im Laufe der Jahrhunderte von der Herrscherdynastie erbaut wurden.

Und überhaupt ist Gondar kulturell bedeutsam, denn Gondar war einst Hauptstadt Äthiopiens, bevor die “Neue Blume” Addis Abeba es wurde.













Es geht weiter zum Kloster Debre Berhan Selassi mit beeindruckenden Deckenmalereien. Wir halten uns eine ganze Weile hier auf. Der Guide erklärt, dass der Staat wenig für die Artenvielfalt in Flora und Fauna tut, dass in solchen Klostergärten allerdings Pflanzen und Tiere beheimatet sind, die anderswo keinen Platz haben und nicht geschützt sind. Und so betrachten wir, wer alles zur Vogeltränke kommt und sich einen kleinen Drink genehmigt.






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opossum

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Re:Äthiopien: Big Smile in the “Land of Origins”
« am: 10.Juli 2018 07:51:02 »
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Letzter Halt des Sightseeing ist das Bad des Fasilides. Im Januar ist dieses das Zentrum des Timkat-Festes, das der Guide allerdings so zungenbrecherisch ausspricht, dass ich das Wort kaum wiedererkenne, also doch lieber einfach “Timkat”. Dieses ist das Fest der Taufe Jesu, und so wird Jahr für Jahr die Taufe im Jordan nachgestellt.

Das große Becken um dieses Wasserschloss wird mit Wasser gefüllt, es gibt eine Prozession, und die Menschen baden im Wasser. Ich habe BIlder gesehen und bedaure ein wenig, dass ich nicht dabei bin und einfach nur ein trockenes Becken erlebe…

Dafür kann ich die Banyan-Trees und Feigenbäume bewundern und die malerisch anmutenden äthiopischen Frauen, die hier Pflasterarbeiten machen. Malerisch ja, aber knochenhart, der Job.







Der Guide macht seinen Job ordentlich. Ich bedaure dennoch, dass hier offenbar nicht vorgesehen ist, dass ich alleine in die Stadt gehe, aber andererseits sieht die Innenstadt auf den ersten Blick zumindest nicht sehr einladend aus, auch wenn sie als “lebendige Universitätsstadt” so mancherorts gepriesen wird. Nun gut, ist OK…

Und so hänge ich noch ein wenig am Pool ab. Hineinzugehen habe ich keine Lust, denn heute hängen dunkle Wolken am Himmel, Wind weht, und insgesamt ist es recht frisch.

Abends werde ich von Eshetu abgeholt. Hier geht man im “Four Sisters” essen, ein Lokal, das ein bisschen außerhalb und etwas höher liegt, sodass Laufen auch hier nicht angesagt wäre. Das Essen ist wieder mal spottbillig, der Tej (äthiopischer Honigwein) schmeckt besser als in Addis. Meine Speisenauswahl auf Injera ist so reichhaltig, dass ich gar nicht alles aufessen kann.

Injera kann man in Äthiopien nicht entgehen. Das ist ein oft etwas säuerliches pfannkuchenartiges Brot, das es hier zu so ziemlich jeder Mahlzeit gibt und mit dem man die Speisen aufnimmt. Wer kein Injera mag, findet aber in Restaurants auch anderes Essen: Die Italiener haben in den 30er Jahren das Land für 5 Jahre besetzt und Spaghetti und Pizza hinterlassen, auch "normale" Gerichte wie Fleisch, Geflügel oder Fisch mit Reis oder Pommes und Gemüse gibt es.

Eshetu hingegen vertreibt sich die Zeit damit, dass er telefoniert und auf seinem Handy tippt. Aber er passt gut auf mich auf, so liegen in Sekundenschnelle  Servietten da, als ich ungeschickt beim Essen mit den Händen die Soße über den Tisch verteile, und auch mein Kaffee nach dem Essen steht dank seiner Aufmerksamkeit und Sprachkenntnisse sehr schnell vor mir.

Beim Verlassen des Lokals gibt es Gegenverkehr. Zwei Männer in so etwas wie Regenmänteln tragen jeweils ein halbes enthäutetes Schaf über der Schulter ins Lokal. Oh, das wird für morgen sicher reichen!

Wir sind wieder am Hotel. Ich sitze noch eine Weile in der Lobby und schicke Nachrichten in die Heimat. Zu voll ist mir das Herz von den Eindrücken der heutigen ersten Fahrt über mehrere Stunden über Land. Eigentlich gar nicht so schlecht, dass ich recht viel Pause im Hotel hatte, zu viel Information wäre vielleicht auch überfordernd gewesen.

Ich surfe bis der Strom und somit auch das Internet ausfällt. Bei dem düsteren Himmel heute ist sicher irgendwo ein Unwetter. Und so suche ich im Schein der Taschenlampe die Stirnlampe, die mir hilft mich beim Zähneputzen zurechtzufinden.
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