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  19.Januar 2018 12:31:46

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 Thema: Bericht über eine Weltreise  (Gelesen 9221 mal)
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Re:Bericht über eine Weltreise
« Antwort #40 am: 17.April 2012 14:38:56 »
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Mittwoch, 20.04.2011 - Dubai, Vereinigte Arabische Emirate


Heute ist wieder Passagierwechsel. Schon um 05:00 Uhr verlassen die ersten das Schiff, da ihr Flieger schon um 07:30 Uhr startet. Für uns geht es erst später los. Mit dem Hop-on-hop-off-Bus fahren wir durch den südwestlichen Teil Dubais, vorbei am Hotel Burji al Arab zur Palm. Dort machen wir die große Runde um das Super-Hotel Atlantis herum. Seit wir vor acht Jahren hier waren, hat sich alles sehr verändert. Wo damals Riesen-Baustellen waren, sind heute nicht minder riesige Hochhaus-Ansammlungen. Und was dort noch alles geplant ist, sprengt alle Vorstellungskraft. Auch am Burji Khalifa kommen wir vorbeim dem mit 824 m z.Z. höchsten Gebäude der Welt. Wie eine Riesen-Nadel sticht es in den Himmel. Ansonsten wechseln sich Bürotürme mit Einkaufsmalls galaktischen Ausmaßes ab. Alles ist modern und neu, die Infrastruktur dieser Stadt ist grandios, sie ist im Gegensatz zu den alten Großstädten dieser Welt allerdings auch erst nach Einführung der Kraftfahrzeuge entworfen worden. Breite, vielspurige Verkehrswege kreuzen die Stadt. Und obwohl sie in der Wüste liegt, wird sie auch von vielen Grünanlagen geprägt.
Eine weitere Bustour, die wir durch die alte Stadt geplant hatten, fällt dem Zeitplan zum Opfer. Um 15:00 Uhr startet unsere gebuchte Wüstensafari mit BBQ in den Dünen. Mit Toyota Land-Cruisern machen wir uns auf in die Sanddünen. Nur je 4 Passagiere nehmen die Jeeps mit, jeder sitzt komfortabel und hat viel Platz. Etwa eine Stunde fahren wir bis zu unserem Ziel, wobei sich unser Fahrer als wahres Genie erweist, was Multi-Tasking-Fähigkeiten angeht. Gefühle 30 Telefonate führt er während der Fahrt, wobei er als Höhepunkt bei 120 km/h mit einem Handy telefoniert und mit einem anderen eine SMS schreibt, während er mit den Knien lenkt und dabei sogar noch überholt.
In der Sandwüste angekommen, wird zunächst mächtig Luft aus den Reifen gelassen, dann geht es los. In der Ankündigung heißt es: “Bitte bedenken Sie, dass die Fahrt über die Dünen bewegt sein kann und nichts für einen sensiblen Magen oder Gäste mit Rückenbeschwerden ist.” Was uns dann erwartet, ist in etwa vergleichbar mit der Fahrt in einem Viererbob, die ich vor einigen Jahren im Eiskanal in Winterberg mal machen durfte. Es geht die Dünen hinauf und hinab, steil aufwärts und in abenteuerlichen Seitengefällen, mal langsamer, mal in atemberaubender Geschwindigkeit, oft ohne dabei nach vorn irgendetwas sehen zu können. Was von außen sicher schon spektakulär aussieht, fühlt sich innen noch intensiver an. Eine Achterbahnfahrt oder die Columbus bei Windstärke 11 ist nichts dagegen. Unser Fahrer lässt sich zwischendurch mal zurückfallen und zeigt uns dann mal, wie das ganze bei Vollgas aussieht, wenn sie ohne Passagiere fahren. Die Folge ist bei Ulla ein Bluterguss quer über den Körper, da wo der Sicherheitsgurt saß. Das ganze dauert etwa 30 Minuten, dann legen wir eine Pause ein. Fotos werden geschossen, es gibt Wasser zum Abkühlen. Viele der Teilnehmer schütteln nur die Köpfe, andere sind fasziniert. Ich bin vor allem erstaunt über das, was diese Autos aushalten. Das nenne ich mal was von robust. Aber ohne das Können der Fahrer, die das allerdings auch täglich machen, wären wir über manche Düne nicht hinweggekommen. Man muss schon wissen, wie man das macht.
Nach dem Stop fahren wir weiter, wieder zurück ins Emirat Dubai, und durchqueren einen Nationalpark in langsamer Fahrt. Mit einem normalen Auto käme man allerdings hier auch nicht durch, es sind z.T. steile Sandpisten. Wir sehen einiges an Getier, vor allem interessant eine Herde Oryxe. Dann erreichen wir ein Zelt, in dem wir mit Sekt empfangen werden und wo wir den Sonnenuntergang über der Wüste erleben können. Frisches Obst und Gemüse wird gereicht und die Stimmung ist sehr romantisch. Ein neugieriger ziemlich großer Vogel interessiert sich sehr lebhaft für uns. Als es dann fast dunkel geworden ist, steigen wir alle wieder ein und wir fahren noch ca. 1 km weiter. Dort finden wir unser abschließendes Ziel, ein Wüstenrestaurant. Auf Teppichen stehen dort im Freien Tische und Bänke mit festen Kissen. Zum Empfang bekommen wir Wein, dann wird uns ein fantastisches Buffet vorgestellt mit einheimischen Spezialitäten. Caterer ist das Marriot-Hotel Dubai. Das Essen schmeckt, der Wein ist gut, alles scheint perfekt und ist es auch. Doch dann der Tiefpunkt dieses Ausfluges. Ein Bauchtanz wird angekündigt und es erscheint eine schlanke junge Dame, die etwas aufführt, was mit Bauchtanz nichts zu tun hat. Ich würde es als “Rotlichtviertel-Titten-Schütteln” bezeichnen. Sie lässt es dabei zu, dass einige Fotografen ihre Teleobjektive fast in ihren Ausschnitt stecken. Dann fordert sie auch Leute aus dem Publikum auf, mit ihr zu tanzen. Zwei Leute machen für sie den Affen, dann traut sich keiner mehr. Sie hat dann wohl auch keine Lust mehr und tanzt gelangweilt noch weiter, bevor sie endlich aufhört.
Bei der Ausfahrt aus dem Nationalpark müssen wir den Reifendruck wieder erhöhen, dann geht es über die Autobahn in ca. 1 Stunde wieder zurück nach Dubai. Natürlich hat der Fahrer wieder viel zu telefonieren.
Zurück an Bord, gibt es noch etwas zu essen. Der Spätimbiss fällt heute etwas umfangreicher aus, da einige Neueinsteiger erst spät eintreffen. So laben auch wir uns noch an leckeren Frikadellen und ein paar kühlen Bieren, bevor wir müde ins Bett fallen.

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Re:Bericht über eine Weltreise
« Antwort #40 am: 17.April 2012 14:39:12 »
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Donnerstag, 21.04.2011 - Khasab/Oman


Oman ist ein Land mit zwei Exklaven. Eine davon werden wir heute besuchen. Ganz im Norden, nur durch die arabischen Emirate zu erreichen, liegt Musandam mit der Hauptstadt Khasab. Hier legen wir morgens an. Wir sehen eine trockene, felsige Landschaft. Als wir das Schiff in modernen Bussen verlassen, sind wir erstaunt über die Küstenstraße, die sehr neu erscheint und echt vom Feinsten ist. Auch die neuerbauten Häuser, die sich entlang der Straße befinden, zeugen nicht gerade von Armut in diesem Bereich. Feinsandige Strände erstrecken sich überall, wo man nicht die Küstenstraße mit Steinschüttungen befestigt hat. Glasklares Wasser in den fjordartigen Buchten würde zum Baden einladen, hätten wir denn Zeit dazu.
Nach gut 30 km haben wir unser erstes Ziel erreicht, Bukha mit einem Fort aus der portugiesischen Zeit, von dem aus man die Straße von Hormuz überblickt, über die auch heute noch ein reichlicher Schmuggeltourismus herrscht, um das Embargo im Iran zu umgehen. Viele kleine schnelle Boote werden vollgeladen mit allen Dingen des täglichen Lebens. Hier im Oman ist das nicht strafbar, im Iran sieht das zwar anders aus, aber niemand wird das wohl verfolgen, braucht man dort doch die Waren.
Das Fort ist frisch restauriert, so wie der Sultan ca. 600 Forts im ganzen Land hat restaurieren lassen.
Von Bukha fahren wir wieder Richtung Khasab, auf dem Wege besuchen wir ein kleines Dorf am Ende einer Bucht, das noch aus uralter Zeit stammt und heute fast nicht mehr bewohnt ist.  Aus ehemals mehr als 1000 Einwohnern sind nur noch 10 Familien geblieben, die heute von Ziegenzucht und Fischerei leben. Das Dorf führt uns vor Augen, wie einfach das Leben in früheren Zeiten war. Interressant zu wissen, dass noch vor 40 Jahren, also 1970, der gesamte Oman so aussah. Es gab nirgends elektrischen Strom, das ganze Land hatte nur 10 km befestigte Straßen, nur ganz wenige Schulen und nur einen einzigen Arzt! Einen Arzt für ein Land so groß wie Deutschland und mit 3 Millionen Einwohnern. Dann stürzte der jetzige Sultan seinen erzkonservativen Vater und führte das Land ins 21. Jahrhundert. Heute ist der Oman ein reiches Land mit exzellenter Infrastruktur. Selbst bis in die äußersten Wüstenregionen gibt es Elektrizität und Wasser. Das Land ist, worauf ja gerade Deutsche ungemein achten, sehr sauber, vergleichbar mit Singapur und Dubai. Absoluter Kontrast zu Myanmar und Indien.
Die Menschen sind freundlich und zugänglich. Hier sieht man keine Bettler. Selbst für die überraschend hohe Zahl von Arbeitslosen sorgt der Staat. Wer über 21 Jahre alt ist und keine Arbeit hat, bekommt eine Rente vom Staat.
Doch wieder zu unserem Ausflug. Nach dem Besuch des Dorfes passieren wir die Columbus und sehen die Stadt Khasab etwas intensiver. Wir machen Station in einer Hotelanlage mit Restaurant, wo wir mit frisch gepresstem Orangensaft, Kaffee und Tee bewirtet werden. Frisches Obst und Kuchen werden dazu gereicht.
Dann geht es weiter zum Fort Khasab, das ebenfalls vollständig restauriert wurde und heute als Museum dient.
Da man vom Aussichtsturm unser Schiff sehen kann, beschließen wir, den Rückweg zu Fuß zu beschreiten, es sind auch mit dem Bus keine weiteren Stationen vorgesehen. Nach knapp 30 Minuten sind wir am Schiff. Endlich mal wieder ein paar Schritte am Stück laufen, das tut uns gut. Der Bus überholt uns irgendwann und wir winken den Mitreisenden fröhlich zu. Nachher werden wir gefragt, ob das nicht schwer gewesen sei, bei der Hitze von wohl ca. 40°C so weit zu laufen. Aber erstens waren es höchstens 2 Kilometer und zweitens wehte uns stets ein leichter Wind ins Gesicht. Und es war interessant, mal unterwegs etwas hinter die Kulissen blicken zu können. Vom Bus aus sieht man ja nie viel.
Das Mittagsbuffet haben wir uns also verdient. Ich bin früher da Ulla. Am Nebentisch sitzen die majestätischen Österreicher. Sie haben mir den Spitznamen Rumpelstielzchen gegeben und terrorisieren mich, ohne sich dabei direkt angreifbar zu machen, zumal sie es geschickt verstehen, es so zu gestalten, dass keine Zeugen etwas mitbekommen. Und sie sind zu zweit, ich bin allein. Ich gebe ihnen zu verstehen, dass sich ihre Mühen nicht lohnen, da sie mich damit nicht auf ihr Niveau herunter bekommen werden.
Am Nachmittag wieder die Seenotrettungsübung. Unser Sicherheitsoffizier schläft diesmal auch nicht ein beim Vortrag, vielleicht, weil der Kapitän dabei ist, der uns anschließend über die Sicherheitsmaßnahmen aufklärt, die angesichts der Piratengefahr im Bereich des Golfes von Aden getroffen wurden.
Am Abend essen wir im Palmgarten und lernen also unsere neuen Tischnachbarn im Restaurant immer noch nicht kennen. Ein Rummikub-Spiel beschließt für uns den Abend eines interessanten Tages.
Soweit wir das bisher feststellen können, haben die Passagiere dieser Etappe das Durchschittsalter der Mitreisenden auf gefühlte 80 Jahre gesteigert. Und da alte Leute wie kleine Kinder sind, wird bei allen Anlässen gedrängelt, geschubst, gemault und gestritten.


Freitag, 22.04.2011 - Maskat/Oman

Dass wir Maskat anlaufen, hängt damit zusammen, dass der vorgesehen Stop im Jemen wegen der kritischen politischen Lage in diesem Land abgesagt wurde. Maskat ist Ersatz und Hapag-Lloyd lädt uns zu einer Stadtrundfahrt ein. Beim Einlaufen haben wir einen schönen Blick auf die Altstadt und das grandiose Privatschiff des Sultans, die heute drittgrößte Yacht der Welt, gebaut in Deutschland. Sie ist etwa so groß wie die Columbus.
Für uns ist Karfreitag, für die Omanis ist sozusagen Sonntag, da sie das Wochenende Donnerstags und Freitags haben.
Wir haben wieder einen modernen Bus, dessen Fahrer aber wohl hauptberuflich Kamele reitet und nur nebenbei Auto fährt. Er startet mit einem schwungvollen Satz rückwärts, hat wohl den falschen Gang erwischt. Dann versucht es im höchsten Gang und das Fahrzeug hüpft wie ein Reh. Dann wird mit Vollgas mit schleifender Kupplung der nächste Versuch gestartet. Wir fahren wenige Meter, dann plötzlich eine Vollbremsung, gefolgt von einem erneuten Satz nach vorn. So geht das eigentlich dann während der ganzen Fahrt. (Er hat trotzdem ein Trinkgeld bekommen.)
Zuerst halten wir beim Regierungspalast des Sultans mit den umliegenden Ministerien. Fantastisch, was man hier geschaffen hat, wenn auch dafür große Teile der historischen Altstadt weichen mussten. Wir machen einen Spaziergang durch die großzügige Anlage bis hin zum alten Hafen, an dem auch das Gästehaus des Sultans liegt, wo im vorigen Jahr noch Queen Elisabeth II genächtigt hat.
Dann bringt uns unser Chaos-Fahrer in die Stadt zum Bait-al-Zubair-Museum, das extra für uns geöffnet hat. Hier kann man sich ein Bild machen von der Geschichte des Staates Oman und dem Leben seiner Bürger. Danach geht es wieder an den Hafen zurück zum Souk von Mutrah, in dem ich es nicht sehr lange aushalte, da er gefüllt ist von Weihrauch. Ulla und ich wandern ein wenig durch die Seitenstraßen der Stadt.
Die Weiterfahrt startet mit einem abenteuerlichen Wendemanöver unseres beherzen Fahrers, das wir aber unverletzt überstehen. Es geht weiter durch die Stadttore in die äußeren Stadtteile dieser inzwischen gewachsenen Stadt. Wir kommen vorbei an Riesen-Gewerbegebieten und erfahren, dass hier ein Kamel deutlich teurer ist als ein Luxus-Geländewagen. Diese kosten hier angeblich nur so um die 20.000 €, wir reden hier von Toyota-Landcruiser!
Wir erreichen eine der größten Moscheen der Welt, die Große Moschee von Maskat. Erst wenige Jahre alt stellt sie ein großes Geschenk des Sultans an sein Volk dar. Leider können wir nicht hinein. Von Samstag bis Donnerstag steht sie Touristen offen, am Freitag, dem heiligen Tag der Muslime, ist sie für uns geschlossen. Sie glänzt mit Superlativen. Der größte Teppich der Welt, der größte Kronleuchter der Welt, nur aus Svarovski-Kristallen, und das zweitgrößte Grundstück einer Moschee nach Mekka.
Danach “hüpfen” wir mit unserem Bus zurück zum Schiff.
Hier erwartet uns noch ein ereignisreicher Nachmittag und Abend.
Es beginnt nach dem Ablegen aus dem Hafen von Maskat mit einem Bingo-Spiel, bei dem wir unseren Einsatz leider verlieren. Später gibt es neben dem Schiff spektakuläres zu sehen. Vor der untergehenden Sonne spielen Wale neben der Columbus. Wer zum richtigen Moment die Kamera zückt, bekommt eine Schwanzflosse vor dem roten Ball auf den Speicher.
Am Abend findet der traditionelle Kapitänsempfang für die neuen Gäste statt, anschließend das Käpt´ns-Dinner, für alle Gäste im feinen Zwirn. Endlich lernen wir also auch unsere Tischnachbarn für diese Etappe kennen. Eigentlich sind sie ganz nett, wir werden wohl keine Probleme mit ihnen bekommen. Allerdings halten sie sich alle für die großen Künstlerkenner und uns blühen ein paar Abende mit einem der Künstler dieser Reise als zusätzlichem Tischgast. Gerade diesen Künstler habe ich heute schon als sehr allürenhalft erlebt. Aber vielleicht essen wir an diesen Abenden ja oben.
Danach wie immer auf jeder Etappe die Vorstellung der Künstler dieser Reise.
Dann der Höhepunkt für Ulla: zum Spätimbiss gibt es Chilli con Carne. Während wir essen, kommen die Österreicher vorbei. “Ach wie gut dass niemand wei?...” singt er.
Wir gehen schlafen und freuen auf einen ruhigen Seetag morgen.
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Re:Bericht über eine Weltreise
« Antwort #40 am: 17.April 2012 14:39:31 »
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Samstag, 23.04.2011 - auf See

Am Vormittag folgen wir einem Vortrag unseres neuen Lektors Wolfgang Steinmetz über die Ausflüge von unserem nächsten Ziel Salalah aus. Dann wäscht Ulla mal wieder Wäsche und ich gehe aufs Außendeck zum rätseln. Der Österreicher setzt sich neben mich und versucht mich zu provozieren. Ich lasse mich aber nicht aus der Ruhe bringen und irgendwann geht er.
Ich begebe mich in die Weinstube, um dieses Tagebuch für die letzten Tage zu schreiben und lerne dabei Andrea und Ean kennen, die als Künstler unter dem Namen Two for You diese Etappe begleiten. Sie sind regelmäßig auf der Columbus. Sie spielen Phase 10 und darüber kommen wir ins Gespräch. Bei den folgenden Seetagen werden wir das zusammen spielen. Am 21. Mai geben sie ein Konzert in Xanten. Mal sehen, was aus der Bekanntschaft wird.
Auf jeden Fall sehen wir uns am Abend mal ihr Programm an und wir sind recht zufrieden. Ean ist Engländer und spielt Saxophon, Andrea singt. Das Zusammenspiel mit der Happy Band funktioniert hervorragend.



Sonntag, 24.04.2011 - Salalah/Oman

Es ist Ostersonntag und am frühen Morgen laufen wir im Hafen von Salalah im Süden des Oman ein. Wir sind nah an der Grenze zum Jemen. Salalah liegt im grünen Bereich des Omans und ist in erster Linen bekannt für seine erstklassigen Weihrauchvorkommen.
Unser Landausflug unter dem Titel “Omanische Impressionen in und um Salalah” führt uns zunächst aus der Stadt hinaus zum Mughsayl-Strand, einem kilometerlangen menschenleeren feinen Sandstrand, neben dem  sich an einem großen Felsen Blowholes gebildet haben, aus denen bei Brandung Wasserfontänen emporschießen. Die Fontänen sind heute nicht so imposant, die umgebenden überhängenden Felsen um so mehr. Auf dem Rückweg halten wir an einem Wadi, einem trockengefallenen Wasserlauf, um uns alte Weihrauchbäume anzusehen und erklären zu lassen. Unsere Guide, eine junge, hübsche und unkomplizerte Inderin, spricht hervorragendes deutsch und besticht während des gesamten Ausflugs durch umfassenden Kenntnisse.
Auf dem Weg zurück passieren wir Siedlungen mit kleinen aber feinen Häusern, die wir für Ferienresorts halten. Sie liegen direkt am Strand. Wir hören allerdings, dass das Sozialwohnungen sind. Alle Achtung!
Ein Besuch auf dem örtlichen Weihrauchmarkt schließt sich an. Ich bin ja nicht so der Freund von Weihrauch, deshalb halten wir uns auch nicht so lange hier auf, Ulla mag auch nicht, ständig von den Ladeninhabern angesprochen zu werden.
Abschließend fahren wir noch in die Berge, um uns dort das Grab des Hiob anzusehen.
Unterwegs ist den ganzen Tag über interessant, wie viele Dromedare und Rindviecher so auf und neben den Straßen herumlaufen, das vor allem vor dem Hintergrund, das die Dromedare zwischen 4.000 und 100.000 € kosten, je nachdem, ob sie nur wegen der Milch und des Fleisches oder als Rennkamele gehalten werden.
Wieder zurück, wartet das Mittagessen auf uns. Aber wir halten uns zurück, wartet doch am Abend das Ostersonntag-Gala-Menü auf uns.
Den Nachmittag verbringe ich dann mit Lesen.
Rechtzeitig duschen ist dann angesagt, um pünktlich zum Menü im Restaurant zu sein. Die Tische sind österlich geschmückt, überall stehen Eier und österliche Süßigkeiten bereit.
Nach dem wieder mal hervorragenden Essen begeben wir uns in die Lounge, wo unser Tänzerpaar Jessica Winkler und Bernd Richter uns zu ihrer Movie Hit Dance Show erwarten. Ich persönlich bin etwas enttäuscht von dem, was sie bieten. Es ist sicher technisch perfekt, aber es fehlt die wirkliche Ausstrahlung. Das Programm erinnert an Eiskunstlaufen. Lediglich ihre Interpretation von “Saturday Night Fever” vermag mich zu begeistern. Die Moderatorin bemängelt auch den eher schwachen Beifall, den das Paar bekommt. Andere denken offenbar genauso wie ich.
Nachdem die Columbus um 22:30 Uhr abgelegt hat, stürzen wir uns noch auf den Spätimbiss - es gibt Currywurst mit Pommes.




Montag, 25.04.2011 - auf See

Ostermontag und der erste von fünf aufeinanderfolgenden Seetagen. Nach einem späten Frühstück sind wir mit Ean und Andrea in der Weinstube zum Phase 10 -Spiel verabredet. Bei einer Flasche Sekt spielen wir eine vergnügliche und harmonische Runde und verabreden uns gleich für morgen. Die beiden sind nett und unkomliziert und etwa in unserem Alter. Sie wohnen in Essen.
Zum Mittag gibt es heute ein Lunch-BBQ mit ganzem Lamm. Köstlich.
Weil ich mit einer Bronchitis und einem Schnupfen herumlaboriere, lege ich mich heute nach dem Essen ins Bett, um die Übeltäter auszuschwitzen. Eingefangen habe ich mir das ganze wohl in einem der Reisebusse, in die man bei Temperaturen von 40°C nass geschwitzt einsteigt und in denen die Klimaanlage auf 18°C eingestellt ist.
Am Nachmittag gewinnt Ulla im Bingo wieder mal 52 €.
Später dann schreibe ich noch eine letzte Email-Serie an die Daheimgebliebenen, bevor wir den Aben dann mit einem Scrabble-Spiel beschließen.


Dienstag, 26.04.2011 - auf See


Frühstück - dann Phase 10 - danach Mittagessen - Lesen auf dem Pooldeck - Bingo - Modenschau am Pool - Abendessen - Show mit Sylvia und Rita in der Louge - Absacker auf dem Pooldeck. Das ist der Tagesablauf für heute.
Es macht wieder viel Spaß, mit Ean und Andrea zu spielen. Lesen geht nur im Schatten, denn es ist sehr heiß hier im Golf von Aden. Links von uns liegt Somalia, rechts der Jemen. Wir befinden uns in einem der Schmelztiegel dieser Welt.
Am Mittag genießen wir das Salatbuffet, nachmittags erwartet uns die Modenschau, die diesmal nicht am Abend stattfindet. Wir lassen es den ganzen Tag lang in Ruhe angehen, ärgern uns aber bei der Modenschau wieder mal darüber, dass nur die Leute was sehen, die in der ersten Reihe auf den Hochlehnern sitzen. Wieder mal hat man es nicht geschafft (oder nicht gewollt), dass jedermann in den Genuss des Gebotenen kommt. Es war bis jetzt jedes mal so, und es sind immer dieselben, die in dieser ersten Reihe sitzen.
Am Abend geht es Ulla nicht so gut, sie hat sich, wie so viele hier an Bord, eine Bronchitis eingefangen und geht nach dem Abendessen ins Bett. Ich gehe daher allein in die Lounge, um mir die Rock´n Roll Piano Show des Mister Red Shoes, Claus Debusman, anzusehen. Es ist voll und zu allererst ärgert mich es, dass ich unendlich lange warten muss, bis ich was zu trinken bekomme. Der Service läuft zwar ständig an mir vorbei, würdigt mich aber keines Blickes, obwohl ich allein vor einem leeren Tisch sitze.
Die Show ist mir zu aufgesetzt, Debusman spielt unendlich viele Songs an, führt aber keines zu Ende. Er allürt sich so durch den Abend, malträtiert sein Klavier mit Füßen, Gesäß und Kopf, ist insgesamt zu laut. Aber das Altersheim tobt. Am Klavier ist er auf alle Fälle sehr gut, aber das Drumherum ist mir zu sehr selbstbezogener Personenkult.
Nach der Show gehe ich schlafen.



Mittwoch, 27.04.2011 - auf See


Heute ist wieder mal ein Tag, an dem ich mir einen Vortrag anhöre. Steinmetz erzählt vom Weg von Sharm el Sheikh zum Katharinenkloster.
Der Vortrag gefällt mir nicht, da Steinmetz von fast 40 Jahre zurückliegenden Reisen erzählt. Aktuelle Informationen enthält er nicht. Ulla ist gar nicht erst dabei, sie ist müde und zieht es vor, wieder ins Bett zu gehen, wo sie auch fast den ganzen Tag bleibt. Nur von 11:00 Uhr bis 12:30 Uhr ist sie für das Phase 10 - Spiel mit Ean und Andrea auf den Beinen. Ihr Husten macht ihr Probleme.
Den Tag verbringe ich vor allem auf dem Pooldeck mit Rätseln und lesen.
Am Abend ist Ulla wieder auf und spielt mit mir Scrabble.
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« Antwort #40 am: 17.April 2012 14:39:57 »
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Donnerstag, 28.04.2011 - auf See


Die Etappe von Salalah nach Sharm el Sheikh ist lang. Für fünf Tage sind wir auf See.
Nach dem Frühstück geben wir Wolfgang Steinmetz noch eine Chance, uns mit einem Vortrag zu fangen. Es gelingt ihm leider nicht. Heute geht es um Aqaba in Jordanien, wo wir auch den Landausflug nach Petra gebucht haben. Wieder fehlen aktuelle Informationen über das Land, er berichtet zwar begeistert über eigene Reisen mit seiner Frau, macht aber kaum neugierig auf das, was uns erwartet.
Wie an allen Seetagen spielen wir Phase 10, anschließend versuchen Ulla und ich uns mal wieder am Shuffleboard, ich gewinne 2:1.
Danach geht Ulla in die Kabine und ich fange auf dem Pooldeck noch etwas Sonne ein, wobei der Österreicher es wieder nicht lassen kann, mich zu provozieren.
Abends fällt das Konzert mit Claus Debusman aus, da er erkältet ist. Wir spielen wieder in der Weinstube.



Freitag, 29.04.2011 - auf See


Noch ein Seetag, aber man gewöhnt sich daran, wir haben ja auch schon viele, auch viele aufeinanderfolgende, hinter uns. Langeweile hatten wir noch nie, obwohl wir die Tage meist getrennt verbringen, da Ulla in der Kabine ist und ich gern in der Sonne bin.  Aber heute müssen wir ja nicht von Bord. Phase 10 mit Ean und Andrea lässt sie nicht aus. Die stundenlange Fernsehübertragung einer königlichen Hochzeit in England sorgt zwar dafür, dass das Schiff fast leer wirkt, aber Ulla interessiert sich überraschenderweise nicht dafür. Sie kommt mit in die Sonne! Man will ja zu Hause doch ein wenig Farbe vorzeigen!
Nach dem Abendessen spielen wir erst noch, dann sind wir noch lange auf dem Pooldeck. Morgen früh wird uns das leid tun.



Samstag, 30.04.2011 - Sharm-el-Sheikh/Ägypten


Das Land hat uns wieder und es ist unser 32. Hochzeitstag heute. Ein langer Landausflug liegt vor uns und wir müssen früh aufstehen. Es tut uns tatsächlich leid, gestern abend so lange gemacht zu haben, wir sind müde.
Schon um 06:00 Uhr wartet das Frühstück auf uns, um 07:30 Uhr fahren die Busse in Richtung Katharinenkloster.
Sharm-el-Sheikh ist eine absolute Touristenstadt. Es leben hier nur Urlauber und die, die sich um diese kümmern. Echte Einwohner hat die Stadt nicht. Hotels, Spielkasinos und allerlei Tralala prägen die Stadt. Ein Sammelsurium bunter Werbung. Es dauert lange, bis wir die Stadtgrenzen erreicht haben und wir die Wüste, die sie umgibt, erreichen. Aber diese Wüste ist abwechslungsreich. Mal ist sie felsig, mal sandig, dann wieder steppig. Sie ist vor allem hügelig. Nach langer Fahrt, zuletzt über etwas weniger gute Straßen, erreichen wir das Katharinenkloster. Hier ist plötzlich ein Gewimmel von Menschen. Viele Busse stehen auf dem Parkplatz, sogar ein deutsches Wohnmobil mit Caravan finden wir vor. Ein Fußweg von vielleicht 500 m trennt uns von dem ältesten Kloster der Welt. Eingemauert in 15 m hohe und meterdicke Wände wurde es nie eingenommen. Heute hat es unten eine Tür, durch die man hineinkommen kann, die gab es früher nicht. Wer hinein wollte, musste mit einem Korb an der Mauer hochgezogen werden. Das Klostergrundstück ist nicht sehr groß und innen ist es dicht bebaut. Da immer noch Mönche dort leben, wird es in Stand gehalten. Imposant ist die Sammlung von Ikonen und alten Schriften, die man besuchen kann.
Nach dem Besuch im Inneren der Klostermauern begebe ich mich außerhalb auf ansteigende Felsen, um von dort ein paar Fotos über die Klostermauern zu machen, die das Gesamtareal darstellen.
Der Rückweg führt uns nach einem Mittagessen in einem modernen Wüstenresort an den Golf von Suez und dann immer am Wasser entlang zurück nach Sharm-el-Sheikh. Unterwegs sehen wir eine große Stadt wachsen, alles ist noch im Rohbau, alles gleiche Mehrfamilienhäuser. Hier sollen Beduinen angesiedelt werden, um sie sesshaft zu machen. Insgesamt leben in Ägypten noch mehr als 500.000 von ihnen. Sie anzusiedeln ist allerdings schwierig, da sie sich von ihrem Nomadenleben nur ungern trennen. Man muss immer damit rechnen, dass sie sich selbst Zelte vor den Häusern aufbauen und in der Wohnung ihre Tiere halten.
Rechtzeitig zum Abendessen sind wir zurück auf dem Schiff. Danach wird es wieder spät. Wir sitzen lange im Außenbereich der Weinstube und plaudern mit anderen Gästen. Dann zieht es uns noch aufs Pooldeck. Aus dem geplanten Absacker werden mehrere und es wird wieder spät.
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Re:Bericht über eine Weltreise
« Antwort #40 am: 17.April 2012 14:40:23 »
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Sonntag, 01.05.2011 - Aqaba/Jordanien


In Jordanien waren wir auch noch nie. Wir liegen an der Pier und sehen zwei Städte, die zusammenzuwachsen scheinen. Aquaba in Jordanien und Eilat in Israel, oder im israelisch besetzten Palestina, wie unser Guide beim Landausflug es ausdrückt. Dieser führt uns heute in die Felsenstadt Petra. Im Konvoi fahren die Busse auch heute wieder durch imposante Wüstenlandschaften über den Kings Way, die alte Seiden- und Weihrauchstraße, nach Petra, eine ehemals vergessene Stadt, die heute ein Touristenzentrum ist. Riesige Parkplätze und zig Busse zeigen, dass wir angekommen sind. Der Eintrittspreis ist mit unserer Bezahlung des Ausfluges abgegolten, es erschreckt uns aber, dass er in der Gruppe 50 €, für Alleinreisende 90 € beträgt!
Durch eine lange, enge Schlucht, die vor langer Zeit durch heftige Wasserströmungen ausgewaschen wurde, zwängen sich die Menschenmengen, die heute am Sonntag diese historische Stätte besuchen wollen. Viele Einheimische sind dabei. Und viele seltsame Typen. Lästige junge Männer wollen uns zu Kutschfahrten für 30 € oder Pferderitte zu 10 € (obwohl die im Eintrittspreis enthalten sind!) überreden.
Unser guter und sehr deutsch-sprachkundiger Guide erklärt uns viel und bereitet uns auf das Highlight dieser Führung vor. Aus dem Dunkel der Schlucht liegt plötzlich im gleißenden Sonnenlicht die Fassade des sogenannten Schatzhauses vor uns, wirklich imposant und überwältigend. Mit ihm beginnt das Tal der Gräber, in denen bis vor wenigen Jahren noch Beduinen Höhlen-Unterschlupf fanden. Nach der Erklärung zum UNESCO-Welterbe mussten sie das Tal verlassen. Hunderte von Grabhöhlen prägen diesen ältesten bekannten Friedhof der Erde, z.T. mit kunstvoll ornamentierten Fassaden. Auf dem Rückweg zum Parkplatz führt unser Guide uns noch in ein Grabhöhle, die sog. Schlangenhöhle und zeigt uns die Lage der einzelnen Gräber.
Die zurückzulegenden Fußwege sind weit und teilweise sehr beschwerlich zu gehen. Wir wundern uns, dass hier auch die Mitreisenden zügig unterwegs sind, die im Bus stets die Gehbehindertenplätze beanspruchen.
Im unmittelbar an die historische Stätte angrenzenden Hotel Moevenpick nehmen wir ein hervorragendes und landestypisches Mittagessen ein, bevor wir zurück durch die wunderschöne Wüstenlandschaft der Negev Richtung Aquaba fahren.
Nach dem Abendessen freuen wir uns auf die von Ean und Andrea organisierte Pooldeck-Show “Willkommen im Club”, an der alle Künstler dieser Etappe teilnehmen und die sessionmäßig ablaufen soll. Schon vor dem Essen haben wir uns Plätze ganz vorn gesichert und dort auch gespeist.
Die Hochlehnerstühle, die immer vor dem Pool stehen, werden nach massiver Intervention mehrerer Reisender endlich entfernt und wir freuen uns über endlich mal Plätze, von denen man auch was sehen kann. Aber es passiert, was auf der Columbus offensichtlich passieren muss. Einige Passagiere, die sehr spät kommen und keine ihnen genehmen Plätze mehr finden, bringen das Personal dazu, weitere Stühle zu bringen. Und wo stellen die sie hin? Natürlich vor die erste Reihe. Wer zuletzt kommt, bekommt hier immer die besten Plätze. Als wir dann unseren Unmut äußern, wird eine der Nachzüglerinnen sogar noch handgreiflich. Wir verlassen verärgert den Platz des Geschehens und verziehen uns in die Weinstube, wo wir Rummikub spielen. Wir stellen fest, dass eine ganze Reihe der Weltreisenden dort sitzen und allesamt erklären, dass sie schon lange nicht mehr zu diesen Veranstaltungen gehen, da die immer so schlecht organisiert seien. Bei den Diskussionen darüber wird es wieder spät.



Montag, 02.05.2011 - Hurghada/Ägypten


Ich stehe sehr früh auf, da ich den Bordarzt konsultieren möchte. Seit einigen Tagen schon habe ich stark juckende Ausschläge im Steißbeinbereich. Er sieht sich das an und erklärt mir, dass ich unter einer Gürtelrose leide. Ich bekomme Tabletten und Salbe.
Der Aufenthalt in Hurghada ist nur kurz. Ab 08:00 Uhr kann man von Bord, muss allerdings zum Land tendern, da wir auf Reede liegen. Spätestens um 11:30 Uhr muss man schon wieder an Bord sein, da es um 12:00 Uhr schon weiter gehen soll. Viele Mitreisende nutzen die Gelegenheit, der Stadt einen Shopping-Besuch abzustatten, kehren aber meist enttäuscht zurück. Die Stadt ist zu schmutzig, die Händler zu aufdringlich.
Hurghada wird immer weiter zugebaut. Immer mehr Hotelanlagen wachsen entlang der Küstenlinie. Schön allerdings ist die Färbung des Wassers in allen Blau- und Türkis-Schattierungen.
Wir bleiben gleich an Bord, kennen wir doch Hurghada und nichts zieht uns dahin. Wir spielen derweil lieber mit Ean und Andrea unsere morgendliche Runde Phase 10 bei einer Flasche Sekt.
Zum Mittag gibt es ein Kartoffelbuffet mit spitzenmäßigen Reibekuchen und Bratkartoffeln wie von Oma.
Den Nachmittag über genießen wir beide (!) in der Sonne auf dem Pooldeck.
Die spätere Stunde bringt das eigentlich für Seetage traditionelle Bingo-Spiel und am Abend wartet ein arabisches Abendessen im Restaurant auf uns. Das Bedienungspersonal ist aus diesem Anlass sehr adrett gekleidet.
Danach wechseln wir dann in die Lounge, wo Ean und Andrea alias “Two for You” romantische Rhythmen präsentieren. Sie sind sehr gut. Leider haben nur sehr wenige Reisende den Weg in die Lounge gefunden. Wer aber da ist, ist begeistert.
Für uns wird der Abend dann noch wieder lang, da wir auf dem Pooldeck versacken. Erst gegen 02:00 Uhr erreichen wir unsere Kabine, die Columbus hat längst Anker geworfen in Suez, wo wir auf die Einfahrt in den Kanal warten.
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Re:Bericht über eine Weltreise
« Antwort #40 am: 17.April 2012 14:40:50 »
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Dienstag, 03.05.2011 - Suez/Ägypten und Port Said/Ägypten


Kurz vor 06:00 Uhr hören wir die Ankerketten hochgehen, die Einfahrt in den Kanal ist freigegeben. In einem Konvoi von 22 Schiffen, den wir anführen, geht es auf die 193 km, die das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbinden.
Dieser Kanal trennt das eigentliche Festland Ägyptens und die Halbinsel Sinai und bildet dabei gleichzeitig die geografische Grenze zwischen Afrika und Asien. Er stellt eine der Haupteinnahmequellen des Staates Ägypten dar. Eine Passage dauert zwischen 11 und 16 Stunden. Entgegenkommende Konvois müssen im Bittersee warten, da auf dem Kanal Einbahnstraßenverkehr herrscht. Auffallend ist, dass in sehr engen Abständen bewaffnete militärische Posten stehen und sehr viele Depots für Pontonbrücken existieren. Irgendwie scheint doch die Spannungssituation mit Israel noch nicht vollständig abgebaut zu sein.
Westlich des Kanals gibgt es eine Bewässerung, so dass dieser Bereich reichlich begrünt ist und landwirtschaftlich genutzt wird. In regelmäßigen Abständen finden sich dort Ortschaften und Städte. Östlich, also auf der Sinai, findet sich ausschließlich Wüste. Dennoch gibt es mehrere Fährstationen, die die Ufer verbinden. Auch einen Tunnel unter den Kanal gibt es sowie eine Eisenbahnbrücke, die schwenkbar ist und die größte ihrer Art auf der ganzen Welt ist. Recht neu ist die Friedensbrücke, die als Straßenbrücke in 68 m Höhe den Kanal überquert und auch eine der größten der Welt ist. Schleusen gibt es nicht, dafür aber noch einen weiteren Bypass neben dem Bittersee. Hier begegnen sich die entgegenkommenden Konvois auf zwei Parallelkanälen. Vom Schiff aus erwecken die Schiffe auf der anderen Seite den Eindruck, im Sand zu liegen, da man das Wasser nicht sieht. Ein lustiges Phänomen.
Gegen 17:00 Uhr haben wir die Stadt Sharm-el-Sheikh erreicht und legen dort an der Pier mitten in der Stadt an. Wir haben Landgang bis 22:30 Uhr. Ich mache auch Gebrauch davon und sehe mit nach dem Abendessen den näheren Bereich um den Hafen an. Ulla geht es nicht gut, sie hat jetzt auch noch Verdauungsprobleme, und zieht es vor, in der Kabine zu bleiben.
An Land ist interessant, dass es hier wie in der Türkei Straßen gibt, an denen nur gleichartige Geschäfte betrieben werden. So zähle ich in einer Straße sage und schreibe 27 Handy-Läden nebeneinander, in einer anderen Straße folgt ein Textilgeschäft dem nächsten.
Auffallend ist, dass die Händler hier nicht so aufdringlich sind. Sie sprechen Passanten zwar an, verfolgen sie aber nicht hartnäckig. Die Kleidung der Mädchen und Frauen umfasst alles vom Sonnentop mit Minirock bis hin zu völliger Verkleidung samt Gesichtsschleier.
Ich bin rechtzeitig auf dem Schiff zurück und trinke noch einen Wein in der Weinstube und gehe dann auch früh schlafen, noch bevor die Columbus den Hafen verlässt und in das Mittelmeer einläuft.



Mittwoch, 04.05.2011 - auf See


Schon beim Frühstück stellen wir fest, dass der Suezkanal wohl eine deutliche Klimagrenze bildet. Im Mittelmeer ist es wesentlich kühler als im Roten Meer. Alle Passagiere haben Jacken oder Pullover bei sich, nur wenige sitzen draußen am Pool.
Uns stört das nicht, da wir ohnehin wieder mit Ean und Andrea in der Weinstube verabredet sind zum Phase 10 - Spiel. Nach dem Mittagessen habe ich Lust auf Computerspiele und verziehe mich hierzu in den Palmgarten. Um 16:30 Uhr stößt Ulla dazu, da Bingo wartet.
Anschließend habe ich noch einen Termin beim Hoteldirektor, da die ständigen Beleidigungen und Provokationen der Österreicher  Überhand nehmen und ich die Schiffsleitung hiervon in Kenntnis setzen möchte. Er vermittelt mir einen Termin für morgen beim Geschäftsführer von Hapag-Lloyd, der sich zur Verabschiedung der Weltreisenden seit Sharm-el-Sheikh an Bord befindet.
Nach dem Abendessen, das wir heute gemeinsam mit Ean und Andrea einnehmen, finden wir uns im Palmgarten ein, wo Claus Debusman Kompositionen von piano bis forte unter dem Titel “The Sea Cruise Boogie Woogie Beat” vorstellt. Er zeigt heute sein Können am Klavier etwas gemäßigter als beim letzten mal und er bekommt zu recht viel Beifall und muss mehrere Zugaben geben.
Der Tag findet sein Ende dann wieder im Palmgarten bei einem Late-Night-Special mit Two for Yor, die vor allem Medleys von Oldies bieten, wobei ich allerdings den Eindruck habe, dass sie hier im Voll-Playback singen. Klingt aber auf alle Fälle sehr gut. Gegen Mitternacht gehen wir ins Bett.


Donnerstag, 05.05.2011 - auf See


Heute morgen können wir mal wieder ausschlafen. Nach spätem Frühstück treffen wir uns wieder mit Ean und Andrea zum Phase 10 mit Sekt oder Sekt mit Phase 10, wie man will. Diese seetäglichen Treffen machen wirklich Spaß, sie werden uns ab Samstag fehlen.
Um 12:30 Uhr finden wir uns im Besprechungszimmer des Schiffes ein, um unsere Probleme mit dieser Kreuzfahrt zu schildern. Teilnehmer sind der Geschäftsführer von Hapag-Lloyd, Herr Dr. Flägel, die Marketingchefin der Columbus, der Kapitän, der Hoteldirektor, Ulla und ich. Es ist ein sehr sachliches Gespräch, bei dem wir den Eindruck gewinnen, dass man uns doch Glauben schenkt in Bezug auf die Probleme mit den Österreichern, die natürlich alles abstreiten.
Wir reißen auch noch andere Themen an und geben Anregungen zum Nachdenken über diverse aus unserer Sicht Missstände an Bord.
Danach gehen wir zum Mittagessen. Und nun liegt Ulla wieder im Bett und ich sitze hier im Palmgarten und schreibe Tagebuch.

Höhepunkt des Tages ist der Abend. Heute steht das Abschiedsessen für die Weltreisenden auf dem Programm. Die Crew hat hierzu die Lounge aufwendig umgebaut und ein ein gemütliches Restaurant verwandelt, liebevoll dekoriert und beleuchtet. An Zehnertischen, für die es Platzkärtchen gibt, sitzen jeweis 9 Passagiere und ein Offizier. Die Offiziere wechseln dann nach einiger Zeit reihum, so dass wir Gelegenheit erhalten, mit einigen von ihnen zu reden und sie (wenn auch eigentlich zu spät) näher kennen zu lernen.
Das Essen ist grandios. Jakobsmuscheln, Entenbrustfilet, Gänsestopfleber, Chilisüppchen, Strauß, Sorbet, Filetsteak vom argentinischen Hochlandrind, gebratener Hummerschwanz und Tahiti-Vanille Eiscreme werden aufgefahren. Wir haben nette Tischnachbarn und die Nacht wird lang. Erst gegen 01:30 Uhr verlassen wir als letzte die Lounge, es gab so gute Weine, dass wir immer noch ein weiteres Glas trinken wollten.
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Re:Bericht über eine Weltreise
« Antwort #40 am: 17.April 2012 14:41:20 »
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Freitag, 06.05.2011 - Kerkyra/Korfu - Griechenland

Ein wunderschöner Morgen begrüßt uns auf der griechischen Insel, unserer ersten Station in Europa. Nach dem Frühstück geht es gleich in den Bus, der uns vorbei an herrlichen Stränden, Olivenhainen und Pinenwäldern in traditionelle Bergdörfer führt, über enge Serpentinen in das Dorf Lakones an der Westküste, das über der Bucht von Paläokastrisa an einem Steilhang liegt und einen herrlichen Blick auf das ionische Meer bietet. Danach fahren wir hinunter an diese malerische Bucht. Nochmals über die Berge geht es Richtung Ostküste, wo eine Orientierungsfahrt durch die Stadt Korfu ansteht. Wir fahren danach nicht mit zurück zum Schiff, sondern steigen aus und bleiben in der Stadt, da bis zur Abfahrt des Schiffes noch einige Stunden Zeit sind. Zuerst einmal finden wir ein nettes Lokal für ein leichtes Mittagessen. Mitten in der Altstadt abseits des Straßenlärms essen wir eine Mezedes-Platte für zwei. Dazu gibt es einen frischen weißen Wein.
Wir treffen viele Leute vom Schiff, die an diesem herrlichen Tag diese wunderschöne Stadt erkunden. Korfu ist eine Insel, die wir sicher noch öfter besuchen werden.
Der Weg zurück zum Schiff ist länger als wir dachten, aber es ist schön entlang der Hafenmauern zu schlendern und die Sonne bei angenehmen Temperaturen zu genießen.
Am späten Nachmittag sind wir zurück an Bord und müssen uns dann auch schon bald wieder umziehen. Es ist schon wieder formelle Kleidung angesagt, da heute das Abschiedsessen für diese Etappe ansteht. Kein Wunder, dass man hier an Bord zunimmt. Schon wieder First-Class-Essen.
Beim anschließenden Abschiedscocktail mit Gesängen des Crew-Chores verpassen wir den Gewinn einer weiteren Seekarte knapp, wir erhalten den zweiten Preis.


Samstag, 07.05.2011 – auf See

Unser letzter Seetag dieser Reise. Noch einmal treffen wir uns um elf mit Ean und Andrea zum Phase-10-Spiel bei Sekt. Nach dem Mittagessen ist dann Kofferpacken angesagt. Am späten Nachmittag gewinnt Ulla beim Abschiedsbingo den Jackpot mit 100 €, die wir gleich als Trinkgelder an die Crew verteilen.
Abends im Restaurant lassen wir mit unseren Tischnachbarn die Reise noch einmal Revue passieren und gehen dann an Deck, um uns von einigen Mitreisenden zu verabschieden. Etwas Wehmut schwingt da schon mit nach fünf Monaten an Bord. Die Zeit verging viel zu schnell. Eine letzte Nacht noch und das Frühstück vor der Abreise ist die Henkersmahlzeit.


Sonntag, 08.05.2011 – Venedig, Italien


Bei Sonnenaufgang laufen wir in den Canale Grande ein und fahren durch die ganze Stadt, vorbei an allen bedeutenden Stätten. Viele Reisende sind an Deck, um diese Eindrücke in sich aufzunehmen und zu fotografieren. Noch einmal Unverschämtheiten von den Österreichern, dann sind sie von Bord, eine Weile vor uns, die wir für den Flug nach Düsseldorf als letzte von Bord gehen. Andrea und Ean winken uns noch nach, als wir die Gangway verlassen, bevor der Shuttle-Bus uns zum Flughafen bringt. Er muss hierzu einen Umweg fahren, da die gesamte Innenstadt heute gesperrt ist. Der Grund: der Papst ist da. Die Reisenden, die über Venedig hinaus an Bord bleiben, bekommen ihn dann sogar zu sehen. Uns fehlt er jedoch nicht.
Der Flug nach Düsseldorf mit der Lufthansa ist unser 100. Flug, ein kleines Jubiläum. Wir landen pünktlich und unser Taxifahrer wartet schon auf uns.
Es ist schon fremd, nach so langer Zeit wieder in die Wohnung zu kommen, in der wir noch nicht so lange gewohnt haben, wie auf dem Schiff.
Die Weltreise ist zu Ende, der Alltag hat uns wieder. Die Normalität fängt uns schnell ein.
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Re:Bericht über eine Weltreise
« Antwort #40 am: 27.April 2012 16:08:38 »
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Wahnsinn - ich bin zwar noch nicht durch, aber ein toller Bericht von einer wirklich langen Reise.

Vielen Dank dafür

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Re:Bericht über eine Weltreise
« Antwort #40 am: 05.Juni 2012 20:14:33 »
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Ein toller Bericht, ich bin schon ganz k.o. vom Lesen.  wink Er gibt auch einen guten Vergleich zu den amerikanischen und australischen Schiffen, auf denen wir schon fuhren. Ich sage nur Currywurst, Freibier, Wildfleisch auf dem Menu, meckernde Mitreisende, kein Bridgespiel fuer meinen Mann. Also Gutes und weniger Gutes.

Die Strecke von Sydney nach Norden und entlang der indonesischen Inseln bis Singapur wuerde mich reizen. Von Sydney nach Darwin sind wir es gerade gefahren, jedoch hattet ihr mit Cairns und Cooktown andere Haefen. Bei uns waren es Airlie Beach und Port Douglas. Die Schiffsfahrt direkt durch das Great Barrier Reef fand ich faszinierend und die Erzaehlungen des Reef Pilot spannend.




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